Zum Hauptinhalt springen

Pressemitteilung

Militärrichter der Waffen-SS in den 60ern Beigeordneter in Düsseldorf

FDP: Militärrichter der Waffen-SS in den 60ern Beigeordneter in Düsseldorf /
LINKE fordern Bereitstellung finanzieller Mittel zur Aufarbeitung

Zur politischen Karriere des NSDAP-, SS- und FDP-Manns Hermann Kohlhase erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf, Frank Laubenburg:

Während in Düsseldorf die Opfer des Faschismus 1950 aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurden, konnten Altnazis in der Stadt ungestört Karriere machen. Vor allem in der FDP.

Im September 1950 wurden die städtischen Beigeordneten Klaus Maase und Hanns Kralik aus dem öffentlichen Dienst entfernt. Ihr Vergehen: sie hatten als Kommunisten gegen den Faschismus gekämpft und waren ihrer politischen Überzeugung treu geblieben. Klaus Maase (Düsseldorfer Baudezernent) wurde 1935 von den Nazis verhaftet, er saß im KZ Buchenwald. Der Düsseldorfer Kulturdezernent Hanns Kralik wurde bereits 1933 von den Nazis ins KZ Börgermoor verbracht, konnte fliehen und arbeitete in Frankreich im Widerstand gegen die Nazis.

Die Entfernung von Antifaschisten und Kommunisten aus dem öffentlichen Dienst war vor allem aus einem Grund notwendig: es sollte Platz geschaffen werden für Altnazis. Allseits bekannt ist die Geschichte von Friedrich Tamms. Der von Hitler persönlich zum Professor ernannte Tamms konnte in den 50er und 60er Jahren in Düsseldorf Karriere bis hin zum Beigeordneten machen und zahlreiche Nazi-Architekten mit Ämtern und Aufträgen versorgen. Der „Düsseldorfer Architektenring“ formulierte es 1952 so: „Tatsächlich wird Düsseldorf zu einem Zentrum der ehemaligen Nazi-Prominenz.“

Einer Veröffentlichung des Historikers und kulturpolitischen Sprechers der Düsseldorfer Ratsfraktion DIE LINKE, Dr. Michael Klepsch, ist es nun zu verdanken, dass die NSDAP- und SS-Mitgliedschaft eines früheren städtischen Beigeordneten und FDP-Politikers einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist.

Von Juli 1960 bis August 1962 war der FDP-Politiker Dr. Hermann Kohlhase Beigeordneter der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Kohlhase (NSDAP-Mitgliedsnummer 4563099, eingetreten am 01.05.1937) war auch SS-Hauptsturmbandführer (ab 15.08.1937) und gehörte von Juli 1943 bis Mai 1945 als Richter dem Militärgericht der Waffen-SS im Wehrkreis II in Berlin an.

So politisch geschult konnte Kohlhase ab 1945 nahtlos in der FDP Karriere machen, bis hin zum Landesminister und FDP-Fraktionsvorsitzendem im nordrhein-westfälischen Landtag.

Die Düsseldorfer FDP verehrt Kohlhase noch heute. Auf deren Internetseiten wird Kohlhase in einem Artikel zur Geschichte des FDP-Kreisverbandes als „ein Urbild an Zuverlässigkeit“ bezeichnet.

Ein solches Geschichtsverständnis verwundert bei der FDP nicht. Sie galt gerade in NRW als Tummelplatz für Altnazis.

DIE LINKE wird zu den Haushaltsberatungen beantragen, dass die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte finanzielle Mittel für ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ehemaliger Beigeordneter und Ratsmitglieder von CDU und FDP in Düsseldorf erhält. Es muss endlich aufgearbeitet werden, wie FDP und CDU Altnazis wieder zu Amt und Würden verholfen haben.