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Ratsfraktion

Bäume als Faktor für das Stadtklima

Anfrage der  Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Rates am 18. Juni 2020:

Die Natur steht auch in Düsseldorf unter Druck. Die klimatischen Veränderungen und die daraus folgenden trockenen Sommer der letzten Jahre führen zu erheblichen Belastungen des Baumbestandes. Viele Bäume sind mittlerweile krank. Das gilt insbesondere für die 67.289 Straßenbäume. Bäume haben eine kühlende Wirkung, sie sorgen für bessere lufthygienische Verhältnisse und verbessern dadurch das Stadtklima. Es ist fatal, wenn in der Planung für die neue sogenannte Airport-City 8.000 Quadratmeter gesunder Baumbestand am Flughafen gefällt werden soll. Das die Ersatzpflanzung von 16.400 Quadratmeter Aufforstungsfläche in Langenfeld stattfinden soll hat für das Stadtklima in Düsseldorf keine Relevanz. Zumal es Jahre dauern wird, bis die neuen Bäume den gleichen ökologischen Wert erreichen wie der existierende Wald. 

DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:

  1. Wie viele Bäume wurden in den letzten 10 Jahren in Düsseldorf mit Genehmigung der Verwaltung gefällt? Welches Durchschnittsalter hatten diese Bäume? Wie viele Baumfällungen sind schon jetzt für die Zukunft geplant?
     
  2. Wie viele Bäume wurden als Ersatz in Düsseldorf angepflanzt? Wie viele Bäume wurden als Ersatz außerhalb von Düsseldorf angepflanzt und an welchen Orten?
     
  3. Wie hat sich der Baumbestand in Düsseldorf in den letzten 10 Jahren entwickelt? Wie viele Bäume mussten in den letzten Jahren aufgrund von Erkrankung gefällt werden?

Mit freundlichen Grüßen
 

Angelika Kraft-Dlangamandla                    Lutz Pfundner                  Anja Vorspel

 

Antwort der Verwaltung am 18.06.2020 (Beigeordnete Stulgies)

zu Frage 1: Aufgrund einer fehlenden automatisierten Auswertemöglichkeit im bestehenden Baumkataster ist ein zeitnaher und im Detail geforderter Rückblick auf alle Baumfällungen der letzten 10 Jahre kaum möglich. Aussagekräftige Daten liegen jedoch für die Jahre ab 2016 vor.
In den Jahren 2016 bis 2019 wurden insgesamt 4.231 Bäume im Straßenbereich und in Grünanlagen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt:
2016: 742
2017: 867
2018: 1.143
2019: 1.479
Die steigende Tendenz erklärt sich im Wesentlichen mit der starken Zunahme von Baumkrankheiten in Folge der Trockenheit bedingt durch den Klimawandel.

zu Frage 2: Die Möglichkeiten der Ersatz- bzw. Nachpflanzungen von Bäumen im Straßenraum und in Grünanlagen werden grundsätzlich bei jeder Fällung sorgfältig geprüft.
Bei den vorzunehmenden Ersatz- und Nachpflanzungen von Straßenbäumen sind sogenannte Umlaufverfahren durchzuführen. Hierbei prüfen die Leitungsträger wie z.B. die Netzgesellschaft, der Stadtentwässerungsbetrieb und die Telekom die Leitungstrassen und ihre Nähe zu den Baumstandorten im Straßenraum und auf Plätzen. Darüber hinaus sind auch notwendige Abstände zu Verkehrsanlagen sowie brandschutztechnische Belange zu beachten. Das Ergebnis dieses Prüfverfahrens entscheidet über die Möglichkeit der Wieder- oder Neubepflanzung eines Straßenbaumstandortes.

In den Jahren 2016 bis 2019 erfolgten insgesamt 3.651 Ersatzpflanzungen im Straßenbereich. Für die Schließung bestehender Lücken im Straßenbaumbestand hat der Rat der Stadt Düsseldorf zusätzliche Finanzmittel in Höhe von insgesamt 2,5 Mio. Euro in den Jahren 2020 und 2021 bereitgestellt.

Gefällte Einzelbäume in Grünanlagen werden in der Regel am Standort oder in Standortnähe durch eine Neupflanzung ersetzt. Entsprechende Ersatzplanzungen müssen der Anzahl oberstehender Ersatzpflanzungen noch hinzugefügt werden. Automatisierte Einzeldaten liegen für die Nachpflanzungen in Grünanlagen leider nicht vor.

Die Fällungen in Grünanlagen umfassen jedoch auch Bäume in geschlossenen Gehölzbeständen, in denen Nachpflanzungen an Ort und Stelle oftmals fachlich nicht sinnvoll ist, z.B. aufgrund der Konkurrenz anderer Gehölze. In der Regel schließen sich dort die Lücken durch das beschleunigte Wachstum der von der Fällung begünstigen Nachbarbäume, durch Naturverjüngung oder durch die Nachpflanzung von Bäumen in Forstwirtschaftsqualität.

Darüber hinaus hat die Verwaltung ein Rahmenkonzept für die Pflanzung von zusätzlichen Bäumen, insbesondere an Straßen und Plätzen in Quartieren mit Bedarf an ökologischer und klimatischer Verbesserungen, erstellt. Mit dem Ratsbeschluss 01/278/2018 wurden für die Jahre 2019 – 2023 jeweils 1 Mio. Euro bereitgestellt. Für die Jahre 2020 – 2023 wurde mit Ratsbeschluss RAT/221/2019 eine Erhöhung auf jährlich 1,5 Mio. Euro beschlossen. In der ersten Pflanzsaison 2019/2020 wurden bereits rd. 100 neue Baumstandorte im Straßenraum bepflanzt und 40 vorhandene Baumstandorte saniert, in der zweiten Pflanzsaison 2020/2021 werden 160 neue Baumstandorte bepflanzt und 40 vorhandene Standorte saniert.

Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen in seiner Sitzung am 25.5.2020 die Verwaltung im Rahmen eines zusätzlichen Prüfantrages aufgefordert hat, zusätzliche Baumstandorte zur Verschattung an öffentlichen Kinderspielplätzen zu erarbeiten. Hiermit könnten sich - bei noch zu erfolgender Beschlusslage und soweit zusätzliche Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden - die Anzahl der neuen Baumstandorte in der Zukunft noch einmal erweitern.

Außerhalb von Düsseldorf wird derzeitig ein Waldverlust/Waldersatz bzw. ein Verlust von Bäumen aufgrund rechtskräftiger B-Planverfahren sowie Baurecht durch Aufforstung nach sog. Ökopunkten auf einer Fläche der Stadt Düsseldorf unmittelbar hinter der Stadtgrenze Düsseldorf in Langenfeld Fuhrkamp-Ost kompensiert. Dieser Ausgleich von Bäumen orientiert sich an dem Wertersatz nach sogenannten Wertpunkten auf Basis des Landesnaturschutzgesetzes in Verbindung mit den gesetzlichen Grundlagen des Baugesetzbuches und kann nicht - wie in der Anfrage gefordert - in einer Gesamtheit mit entsprechenden Baumanzahlen dargestellt werden. Hier ist viel mehr das einzelne Projekt der entsprechenden Kompensation von Baumverlusten zu betrachten, welches aus den betreffenden Beschlussvorlagen hervorgeht.

zu Frage 3: Aufgrund der fehlenden automatisierten Auswertemöglichkeit ist eine umfassende Aussage in nachgefragter Detailtiefe zur Entwicklung des gesamten Baumbestandes in der Stadt in den letzten 10 Jahren aktuell nicht möglich. Das entsprechende Baumkataster befindet sich für den Geschäftsbereich des Gartenamtes mit Blick auf die kommenden Jahre in einem schrittweisen Aufbau.

Ziel der Verwaltung ist es jedoch, aktuell jeden Baumstandort im Straßenraum und in den Grünanlagen – sofern dort fachlich sinnvoll und umsetzbar - zu erhalten und darüber hinaus neue Standorte im Straßenraum im Rahmen des Stadtbaumkonzeptes zu schaffen.
Im Straßenbereich und in den Grünanlagen werden weit überwiegend Bäume gefällt, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Dies kann zum Beispiel durch Baumkrankheiten, Faulstellen oder Pilzbefall hervorgerufen werden. Durch die trockenen Sommer 2018 und 2019 sowie das trockene Frühjahr 2020 ist generell ein Vitalitätsverlust bei den Stadtbäumen festzustellen, der sie anfälliger gegenüber Baumkrankheiten macht. Dies schlägt sich in einer Zunahme der zu fällenden Bäume (siehe Beantwortung der Frage 1) nieder.

Die häufigste Ursache dieser Baumfällungen sind holzzersetzende Pilze, die die Festigkeit des Holzes verringern und somit die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes gefährden. Gefördert wird dies u.a. durch veränderte Klimabedingungen in der Stadt und der damit verbundenen Zunahme von klimabedingten Stressfaktoren für die Stadtbäume. Das Gartenamt hat aufgrund dieser Erkenntnisse auch geeignete Baumarten in einer Zukunftsbaumliste erfasst. Das Ziel bei der Wahl geeigneter Baumarten aus dieser Liste liegt darin, eine breite Palette standortgerechter Arten für Stadtbäume zu finden, um so das Risiko von Baumverlusten nach Neupflanzungen durch bereits bekannte und zukünftige Klimaherausforderungen zu minimieren.