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Gleichstellungsausschuss

Frauenhäuser in Düsseldorf: Platzmangel und Barrierefreiheit

 

Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 23. Januar 2018:

Frauen, die ein Frauenhaus aufsuchen, befinden sich in einer akuten Gefährdungssituation. Frauenhäuser bieten seelisch und körperlich bedrohten oder misshandelten Frauen persönlichen Schutz und Sicherheit. Dort erhalten Frauen Beratung und Unterstützung, es wird ihnen die Möglichkeit gegeben, Abstand von ihrer Bedrohungssituation zu gewinnen. Von großer Bedeutung ist dabei, dass alle von Gewalt betroffenen Frauen einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu einem Frauenhaus erhalten sollen. In Düsseldorf gibt es das „Internationale Frauenhaus“ der AWO sowie das „Frauenhaus Düsseldorf“ des Vereins Frauen helfen Frauen.

Immer wieder erscheinen in den Tageszeitungen Artikel mit Titeln wie „In Frauenhäusern fehlen Plätze“ (WZ vom 07.09.2017), „Wegen Platzmangel: Frauenhäuser in NRW müssen Gewaltopfer abweisen“ (RP vom 20.08.2017), „Düsseldorfer Frauenhäuser haben zu wenig Kapazitäten“ (NRZ vom 29.09.2017) und „Frauenhäuser rufen nach Hilfe durch das Land“ (NRZ vom 04.12.2017). Aufgrund fehlender Plätze wurde auch an den Düsseldorfer Frauenhäusern in der Vergangenheit eine enorme Anzahl Schutz suchender Frauen abgelehnt. Was mit den abgelehnten Frauen geschieht, ist ungewiss, da keine Nachverfolgungsmöglichkeiten oder Folgekontakte bestehen. Viele Frauen werden jedoch in der gefährlichen Situation verbleiben müssen. Für diese Frauen bedeutet die Ablehnung eine akute Gefährdung. Laut Empfehlung des Europarates sollte ein Frauenhausplatz pro 7.500 Einwohnerinnen und Einwohnern der Gesamtbevölkerung vorhanden sein (vgl. COE Task Force to Combat Violence against Women, including domestic violence 21.06.2006).

Neben der unzureichenden Versorgung mit Frauenhausplätzen wurde auch das Angebot für Frauen mit Beeinträchtigungen international thematisiert. In einer Stellungnahme der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser zum Übereinkommen des Europarats vom 11. Mai 2011 zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) heißt es: „Ein katastrophaler Mangel an Frauenhausplätzen für Frauen und Kinder mit Behinderungen/ Beeinträchtigungen ist nach wie vor festzustellen, obwohl Studien zeigen, dass Frauen mit Behinderung zu einem viel höheren Anteil von Gewalt betroffen sind als der Bevölkerungsdurchschnitt.“ Wie die aktuelle Situation in Düsseldorf ist und welche Entwicklungen sich abzeichnen, ist bisher unklar.


DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:

  1. Wie viele Frauen mussten in den letzten fünf Jahren an den Düsseldorfer Frauenhäusern abgelehnt werden (aufgeschlüsselt nach Jahren und Einrichtung)?
     
  2. Wie viele Frauenhausplätze gibt es in Düsseldorf und wie ist das Verhältnis von Frauenhausplätzen zu Einwohnerinnen und Einwohnern der Gesamtbevölkerung?
     
  3. Sind die Düsseldorfer Frauenhäuser barrierefrei und welche Hilfsangebote gibt es für Frauen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung?

Freundliche Grüße
 

Petra Müller-Gehl                    Angelika Kraft-Dlangamandla                      Cornelia Schlemper

 

Antwort der Verwaltung am 23.01.2018 (Oberbürgermeister Geisel)

zu Frage 1: Die Zahlen des Internationalen Frauenhauses zu den Ablehnungen aus den letzten
fünf Jahren stellen sich wie folgt dar:
2017: 138 Frauen
2016: 148 Frauen
2015: 170 Frauen
2014: 170 Frauen
2013: 181 Frauen
Bei der Erhebung der Daten kann es zu Doppelzählungen kommen, da Frauen bei
Vollbelegung in mehreren Frauenhäusern anrufen.

Die Zahlen des Frauenhauses Düsseldorf Frauen helfen Frauen e.V. zu den
Ablehnungen aus den letzten fünf Jahren lauten wie folgt:
2017: 122 Frauen
2016: 136 Frauen
2015: 101 Frauen
2014: 96 Frauen
2013: 60 Frauen

zu Frage 2: Das Internationale Frauenhaus hat 12 Plätze (in der Regel acht Frauen und vier
Kinder). Das Frauenhaus Frauen helfen Frauen e.V. bietet 17 Betten in sechs
Zimmern und zwei Notbetten in einem Durchgangszimmer an.
Damit stehen in den beiden Düsseldorfer Frauenhäusern insgesamt 29 Plätze und
zwei Notbetten (Frauen und Kinder) im Verhältnis zu 635 704 Menschen
(Wohnbevölkerung in Düsseldorf - Stand 31.12.2016).

zu Frage 3: Sowohl das Internationale Frauenhaus als auch das Frauenhaus Frauen helfen
Frauen haben mitgeteilt, dass ihre Häuser nicht barrierefrei sind. Im Internationalen
Frauenhaus ist im Einzelfall möglich, Frauen mit einer psychischen Beeinträchtigung
aufzunehmen. Frauen helfen Frauen haben keine Hilfsangebote für Frauen mit
körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung.
Das Amt für Soziales steht den Frauenhäusern in seiner Rolle als Behindertenkoordination
gerne für entsprechende Fragestellungen zur Verfügung. Betroffene
Frauen, die sich in einem Frauenhaus aufhalten, können grundsätzlich auf das
gesamte zur Verfügung stehende Hilfe- und Beratungsspektrum des Amtes für
Soziales zurückgreifen.
Die Beschaffenheit der Frauenhäuser sowie die Ausgestaltung erfolgt in der
Eigenverantwortung der jeweiligen Träger der Frauenhäuser unter Beachtung der
Rahmenbedingungen, die sich nach wie vor an den Landesrichtlinien für die
Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Zufluchtsstätten für misshandelte
Frauen (Frauenhäuser) ausrichten.