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Stadtrat

Keine Abschaffung des Schulfaches „Sozialwissenschaften„ in NRW

Antrag der Ratsfraktion DIE LINKE zur Sitzung des Rates am 29.04.2021(behandelt in der Sitzung vom 02.06.2021):

Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf fordert die Landesregierung NRW auf, das Fach „Sozialwissenschaften“ in seiner bisherigen Ausgestaltung im Lehrplan aller Schulen beizubehalten.

Begründung:
Die Aufgabe jeder einzelnen Schule liegt auch darin, Kinder und Jugendliche anzuregen, sich mit politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Dies geschieht im Rahmen des Unterrichtsfaches Sozialwissenschaften. Dies ist ein Fach, welches verschiedene Bereiche wie Soziologie, Ökonomie und Politik mit politischer Bildung zusammenbringt. Zentrale Leitidee ist dabei die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit komplexen gesellschaftlichen Problemen. Deshalb gehört seit fast 50 Jahren dieses Fach in Nordrhein-Westfalen zum Profil der Schulbildung und ist über Generationen hinweg fester Bestandteil des Lehrplans.

Die Landesregierung will mit einem neuen Entwurf der Lehramtszugangsverordnung das ändern und plant die Abschaffung. Ersetzt werden soll dies durch das neue Studien-und Schulfach „Wirtschaft/Politik“.

Die Folgen treffen nicht nur die Schüler:innen schwer. Auch alle Lehrkräfte mit Fakultas für das Fach „Sozialwissenschaften“ dürfen das neue Fach nur unterrichten, wenn sie einen einjährigen Zertifizierungskurs absolvieren. Der Protest dagegen ist groß. Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und auch der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB) werden hier falsche Zeichen gesetzt. Anzunehmen ist, dass die Einführung des Faches Wirtschaft zu einer Ökonomisierung der Bildung führt. Mitte Januar hat sich die DVPB in einem Brandbrief gegen die Pläne der Landesregierung gewandt. Dort heißt es unter anderem: „Eine nachvollziehbare Begründung für die Abschaffung des Faches gibt es nicht! Wenn eine stärkere Verankerung der Ökonomie beabsichtigt wurde und wird, ist dies schon längst geschehen. Kein anderer Bildungsbereich wurde in den letzten 15 Jahren so massiv ausgebaut wie die ökonomische Bildung." Auch bewertet die DVPB das Vorhaben der Landesregierung wie folgt: „Langfristig, das steht zu befürchten, werden die derzeit noch bestehenden politischen Studien-und Bildungsinhalte immer weiter verdrängt, so wie es mit den gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven bereits durch den vorliegenden LZV-Entwurf erfolgt."

Dass sich die Landesregierung NRW der Soziologie und damit der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft entledigen will, passt in die bisherige Arbeit der schwarz-gelben Koalition. Denn Politik im Sinne der Wirtschaft ist das Steckenpferd des Laschet-Kabinetts. Aus Sicht der LINKEN muss politische Bildung gestärkt und nicht gestrichen werden. Sie ist für eine demokratische Gesellschaft unabdingbar und darf nicht gegenüber wirtschaftlichen Interessen in den Hintergrund treten.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Marmulla              Anja Vorspel