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Ratsfraktion

Verspätungen und Fahrtenausfälle bei der Rheinbahn

Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Rates am 11. Oktober 2018:
Die Rheinbahn hat zwei Jahre hintereinander das Ziel eines Fahrgastzuwachses von zwei Prozent verfehlt.  Die Presse berichtet außerdem, dass die Rheinbahn im laufenden Jahr größte Schwierigkeiten hat, das bestehende Fahrgastaufkommen zu bewältigen: Starke Verspätungen und ausfallende Fahrten verärgern die Fahrgäste, insbesondere auf den Linien U75 und U79.

Die Hauptursachen sind eine personelle Unterbesetzung und ein sehr hoher Krankenstand bei der Rheinbahn. Ein Krankenstand von 10 Prozent wurde bereits 2010 von Rheinbahn-Pressesprecher Wolfgang Schumacher als „ernstes Problem“ bezeichnet; gebessert hat sich aber nichts: Im Gegenteil hat sich der Krankenstand auf 12 Prozent erhöht. Das ist mehr als das Doppelte des Branchendurchschnitts. Dieser Umstand weist auf eine gravierende und fortdauernde Überlastung der Beschäftigten hin.

DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:                       

  1. Wie viele Fahrtausfälle und -verspätungen der Rheinbahn seit 2015  lassen sich welchen Hauptursachen (z.B. Krankmeldung, Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten) zuschreiben (bitte aufgeschlüsselt nach Ursachen und Jahren)?                                                                                                           
  2. Wie viele Überstunden haben die FahrerInnen der Rheinbahn seit 2015 im Durchschnitt pro Person geleistet (bitte aufgeschlüsselt nach Jahren)?
                                           
  3. Wie viele FahrerInnen wären notwendig gewesen, damit die Pünktlichkeitsziele der Rheinbahn ohne Überstunden und Doppelschichten und bei Einhaltung der Pausenzeiten erreicht worden wären?  
                                                                                                                                  

Mit freundlichen Grüßen
 

Angelika Kraft-Dlangamandla                                                                        Lutz Pfundner

 

Antwort der Verwaltung am 11.10.2018 (Stadtkämmerin Schneider)

zu Frage 1: Ausfälle von fahrplanmäßigen Fahrten sind trotz aller Reservevorhaltung im Linienverkehr grundsätzlich nicht zu vermeiden. Die Rheinbahn unterscheidet in ihren Analysen verkehrliche, technische und personelle Ausfallgründe.
Unter den verkehrlichen Gründen sind es in erster Linie Unfälle, aber auch starke Verkehrsüberlastungen, die dazu führen, dass Fahrten oder Teile von Fahrten ausfallen, weil die Fahrzeuge den Linienweg nicht befahren können oder so lange aufgehalten werden, dass der betroffene Fahrzeugführer vor Erreichen des Linienendpunktes die gesetzlich vorgeschriebene Fahrtunterbrechung (Pause) zur Einhaltung der in der Anfrage benannten „Lenk- und Ruhezeiten“ durchführen muss.
Unter den technisch bedingten Ausfällen sind im wesentlichen Pannen oder technische Störungen der Fahrzeuge zu finden, die dazu führen, dass ein Bus oder ein Schienenfahrzeug ausgetauscht oder auf der Strecke repariert werden muss.
Die personell bedingten Ausfälle reichen von kurzfristiger Krankmeldung zum Dienstbeginn über gesundheitsbedingte Ausfälle während des Dienstes bis hin zum Ausfall eines kompletten Dienstes, wenn die Personalverfügbarkeit keine Reservevorhaltung in ausreichender Zahl ermöglicht.
Da es sich in der Regel um spontan auftretende, d. h. kaum planbare Vorfälle handelt, fällt in Folge der vorgenannten Situationen ein kleiner Teil der planmäßigen Fahrplanleistung aus.
In den angefragten Jahren ergaben sich nachfolgend genannte Fahrt- bzw. Leistungsausfälle:

Jahr

verkehrlich

personell

technisch Bus

technisch Bahn

2015

3097

1915

2100

1925

2016

3132

4118

2612

2198

2017

3087

5101

3433

2179


Die Anzahl der verkehrlich bedingten Ausfälle ist seit 2015 relativ konstant. Dieser Ausfallursache wird aktuell z. B. durch eine intensive Zusammenarbeit der Rheinbahn mit der Landeshauptstadt Düsseldorf u. a. bei der Parksünderverfolgung und der ÖPNV-Beschleunigung begegnet.
Die Zahl der technischen Ausfälle bei den Bussen im Betrachtungszeitraum ist im Wesentlichen der mit zunehmendem Fahrzeugalter steigenden Störungshäufigkeit sowie der komplexeren Technik zuzuschreiben. Die Ausfallhäufigkeit der Schienenfahrzeuge ist demgegenüber relativ konstant geblieben.
Im Hinblick auf die im Erläuterungstext der Anfrage getroffene Aussage zu personellen Ausfällen ist anzumerken, dass die mehrjährige Entwicklung in erster Linie dem Umstand zuzuordnen ist, dass die Gesundheitsquote bzw. der Krankenstand der Rheinbahn insbesondere in den Jahren 2014 und 2015 deutlich besser war als der Branchenschnitt. Seit 2016 fiel die betreffende Quote unerwartet auf die Durchschnittswerte der Fahrdienstabteilungen der ÖPNV-Unternehmen im Verband deutscher Verkehrsunternehmen.
Insbesondere der Anteil der Langzeiterkrankungen hat zugenommen, obwohl die Rheinbahn in den zurückliegenden Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen hat, um die Belastung ihrer Fahrerinnen und Fahrer zu vermindern. Beispielhaft sind hier Fahr- und Wendezeitanpassungen, belastungsorientierte Dienstplanung, Verkürzung der Schichtlängen u. v. m. zu nennen.
Die augenblickliche Situation der Rheinbahn ist zusätzlich von einigen Sondereffekten geprägt. Eine zunehmend schwierige Situation am Arbeitsmarkt führt insbesondere bei ihren Subunternehmern zu Personalmangel. In Folge dieses Personalmangels konnten Teile der beauftragten Linienleistung von Subunternehmern nicht geleistet werden. Aufgrund unterschiedlicher tarifvertraglicher Randbedingungen erfordern diese Leistungen bei der Besetzung durch Rheinbahnmitarbeiter teilweise sogar einen noch höheren Personaleinsatz, als dies bei den Subunternehmern der Fall ist.
Der erhebliche Bedarf an Ersatzverkehr durch Busse für die sommerlichen Baustellen im Schienennetz, konnte im Gegensatz zum ersten Halbjahr 2018 seit Juli nicht mehr durch Ausschreibung und Vergabe an Fremdunternehmer gedeckt werden, weil diese u. a. durch Maßnahmen der Deutschen Bahn vollständig ausgebucht waren. Neben dem oben genannten „schleichenden“ Absinken der Jahresgesundheitsquote besteht ein weiteres schwerwiegendes Problem in dem ungewöhnlich hohen Kran-kenstand, der sich im Sommer 2018 im zeitlichen Zusammenhang mit der starken Hitzeperiode ergab. Im Zeitraum von Juni bis September dieses Jahres lag der Krankenstand bei der Rheinbahn über 11% und damit höher als im Vergleichszeitraum der zurückliegenden Jahre. Dadurch ist die Personalverfügbarkeit, insbesondere während der Sommerferien mit erhöhtem Urlaubsanspruch von Eltern mit schulpflichtigen Kindern, stark reduziert worden.
Alle zuvor genannten Einflüsse zusammen führen dazu, dass die Rheinbahn in den zurückliegenden Monaten zwischen 1 und 2 Prozent ihrer gesamten Fahrplanleistung nicht erbringen konnte.
Alle Ausfälle werden im Rahmen der betrieblichen Disposition auf verschiedene Bus- und Bahnlinien verteilt. Die Rheinbahn wählt dabei überwiegend Linien mit dichtem Angebotstakt, damit die Lücke in der Fahrtenfolge in engen Grenzen bleibt. Die in der Anfrage kommunizierte Darstellung, die U75 und U79 seien besonders schwer-wiegend betroffen, ist nicht zutreffend. Tatsächlich sind aber qualifikationsbedingt die Hochflur-Stadtbahnlinien insgesamt stärker von Ausfällen betroffen, als die Bus- und Straßenbahnlinien.
Die ebenfalls angefragte Zahl der Verspätungen hat grundsätzlich nichts mit der Zahl der eingesetzten Mitarbeiter zu tun und kann nicht in Fallzahlen angegeben werden. Die Rheinbahn verweist in diesem Zusammenhang auf den jüngst im Ordnungs- und Verkehrsausschuss vorgelegten Pünktlichkeitsbericht.

zu Frage 2: Die Zahl der durchschnittlich geleisteten Stunden je Fahrdienst-MitarbeiterIn betrug in den Jahren:

Geleistete Überstunden je MA im Jahresdurchschnitt

2015:

94,2

2016:

98,5

2017:

95,6


Bei der durchschnittlichen Überstundenleistung je MitarbeiterIn in Höhe der genann-ten ca. 95 Stunden ist zu berücksichtigen, dass ca. 45 Stunden jährlich durch Freizeitausgleich „abgefeiert“ werden und insofern die tatsächlich kapazitätswirksame Überstundenleistung im Durchschnitt ca. 50 Stunden betrug.

zu Frage 3: Der Personaleinsatz im Fahrdienst bei Verkehrsbetrieben - so auch bei der Rheinbahn - ist geprägt von einer Grundlast mit temporären Spitzenanforderungen. Die Personalbedarfsermittlung erfolgt auf Grundlage des veröffentlichten Fahrplanes.
Die o. g. zeitlich begrenzten Spitzenanforderungen, die z. B. während der Düsseldorfer Rheinkirmes, am Japantag, an Tagen mit Fußballeinsätzen u. ä. auftreten, können nur als Mehrleistung abgedeckt werden.
Da auf den Punkt genau die Fahrten für die Fahrgäste angeboten werden müssen, ist ein Ausgleich von Kapazitäten wie im produzierenden Gewerbe nicht möglich. Daher werden in Verkehrsbetrieben ca. 3 bis 5% der Kapazität für Sonderveranstaltungen, Sperrungen u. ä. als Überstunden geplant. Die Rheinbahn liegt hier mit ca. 3,5% bzw. 48 Stunden pro MitarbeiterIn und Jahr im unteren Bereich. Eine Ausrichtung der Personalstärke an den Spitzenlasttagen, würde zu massiven Personalüberhängen außerhalb dieser Veranstaltungen führen.
Die Pausenzeiten von Fahrdienst-MitarbeiterInnen sind gesetzlich geregelt und wer-den in Unternehmen des ÖPNV streng überwacht. Ein Zusammenhang mit der Personalbedarfsplanung der Rheinbahn ist nicht gegeben.
Die Rheinbahn weist aber ganz besonders darauf hin, dass sie die Beeinträchtigungen und die Unzufriedenheit der betroffenen Kunden trotz der, bezogen auf die Gesamtleistung, prozentual geringen Ausfälle sehr ernst nimmt und alles daran setzt, wieder zur gewohnten Qualität zurückzukehren.