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Jugendhilfeausschuss

Kita-Plätze aktiv anbieten

Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 04. September 2018:

„Frühkindliche Bildung kann die Schere zwischen armen und reichen Kindern schließen. Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial benachteiligten Familien profitieren am stärksten von einem frühen Kindergartenbesuch. Gleichzeitig besuchen sie seltener schon mit drei Jahren den Kindergarten.“ Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie vom Centre for Research and Analysis of Migration und dem RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Da laut der Studie Kinder, die besonders von einem Kindergartenbesuch profitieren würden, das frühkindliche Bildungsangebot selten nutzen, fordern die Fachleute verschiedene Politikmaßnahmen. Diese sollen darauf abzielen, den Kita-Besuch von Kindern mit Migrationshintergrund und aus sozial benachteiligten Elternhäusern zu erhöhen.

Empfohlen wird beispielsweise ein Umdenken bei der Kita-Platzvergabe: Statt dass Eltern sich wie bisher aktiv um Betreuung bemühen müssen, sollten Städte ihnen automatisch einen Platz anbieten. Weiterhin wird dazu geraten, durch mehrsprachige Informationskampagnen eine höhere Kitabesuchsrate von Kindern mit Migrationshintergrund zu erreichen. So sollen Informationsdefizite abgebaut und sprachliche und kulturelle Barrieren überwunden werden.
DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an: 

  1. Wie hoch schätzt die Verwaltung die Zahl der Kinder, die aktuell nicht in einer Kita oder Tagespflege angemeldet sind (aufgeschlüsselt nach U3, Ü3 und Stadtteilen)?
     
  2. Gibt es Überlegungen, auf Erziehungsberechtigte von Kindern ohne Betreuung zuzugehen und ihnen einen Betreuungsplatz anzubieten? Falls ja, wie sehen die Überlegungen aus? Falls nein, weshalb nicht?
     
  3. Gibt es mehrsprachige Informationskampagnen, um eine höhere Kitabesuchsrate von Kindern mit Migrationshintergrund zu erreichen? Falls ja, wie sehen diese aus? Falls nein, weshalb nicht?

Mit freundlichen Grüßen
 

Lukas Reichert                                 Jacqueline Kiefer

 

Antwort der Verwaltung am 04.09.2018 (Stadtdirektor Hintzsche)

zu Frage 1:
Kinder ab 3 Jahren:

Die Verwaltung geht bei den Kindern von 3 Jahren bis zum Schuleintritt von einer tatsächlichen Betreuungsquote in Kitas von rund 95% aus.
5% der Altersgruppe oder rund 900 Kinder werden nicht in einer Kita betreut (Stichtagsauswertung). Dies hat unterschiedliche Gründe.
• Kinder sind in Düsseldorf gemeldet, halten sich aber nicht permanent in Düsseldorf auf.
• Eltern wünschen grundsätzlich keine Betreuung in einer Tageseinrichtung.
• Eltern warten auf einen Betreuungsplatz in einer bestimmten Kita.
• Eltern haben sich für einen Betreuungsplatz vorgemerkt, aber noch keinen Platz erhalten.
Eltern, die zum gewünschten Zeitpunkt keinen Betreuungsplatz erhalten haben, machen sicherlich mit rund 500 Kindern die größte Gruppe aus.
Überdurchschnittlich betroffen sind die Stadtbezirke 1,2,3 und 6.
Kinder unter 3 Jahren:
Eine solche Aussage kann in dieser Form zu den Kindern unter 3 Jahren nicht getroffen werden. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter 3 Jahren in Düsseldorf ist hoch. Derzeit geht die Jugendhilfeplanung von einem Bedarf nach einer Platzzahl aus, welche einem Anteil von 53 – 55 % der Zahl der Kinder unter 3 Jahren entspricht.
Der Wunsch nach Betreuung liegt aber deutlich unter der Nachfrage der Kinder ab 3 Jahren. Eltern entscheiden sich im „U3-Bereich“ differenziert und mit unterschiedlichen Gründen, wann sie ihr Kind in öffentliche Betreuung geben möchten.
Es kann daher von Seiten der Verwaltung keine Aussage darüber getroffen werden, ob Eltern einen Betreuungsplatz nicht wünschen oder ob sie keinen Zugang ins System finden. Festgestellt werden kann jedoch:
• Zu Beginn des Kindergartenjahres standen rund 8.600 Betreuungsangebote für Kinder unter 3 Jahren zur Verfügung. Um eine Versorgung von 53% der Kinder unter 3 Jahren zu gewährleisten, wären jedoch 10.343 Plätze notwendig.
• In Gebieten mit besonderem sozialem Handlungsbedarf ist die Betreuungsquote der Kinder unter 3 Jahren in der Tendenz niedriger als in anderen Sozialräumen.
• Tagespflegeangebote werden in Gebieten mit besonderem sozialen Handlungsbedarf tendenziell seltener genutzt, als in den übrigen Wohngebieten der Stadt. Hier hinein spielen dann Gründe wie kultureller Hintergrund oder bestimmte Lebenssituationen

zu Frage 2 und Frage 3:
Der Elternbesuchsdienst bietet allen Eltern erstgeborener Kinder ein Informationsgespräch im Rahmen eines Willkommensbesuchs an.
Neben Informationen zu Finanzen, Gesundheit und Kursen sowie zu individuellen Fragestellungen ist das Thema Kinderbetreuung zentraler Bestandteil des Gesprächs. Eltern erhalten ausführliche und gleichzeitig übersichtliche Informationen u.a. zu Betreuungsformen, der Platzvergabe, dem Kita-Navigator und der persönlichen Beratung und Informationsveranstaltungen im i-Punkt Familie. Da die Mitarbeiterinnen des Elternbesuchsdienstes Erzieherinnen sind, die vormals in Kitas gearbeitet haben, können sie Eltern anschaulich über den Kita-Alltag berichten und positive Aspekte herausstellen bzw. über Sorgen oder Fragen aufklären.
Insbesondere bei Familien, die muttersprachlich nicht deutsch sprechen, wird auf die Bedeutung des frühen Spracherwerbs und dessen Förderung in Kindertageseinrichtungen hingewiesen. Die Kinder sind zum Zeitpunkt des Besuchs ca. 4 Monate alt. Deshalb erhalten Eltern ebenso Informationen zu Spielgruppenangeboten, wie „Griffbereit“ und weiteren bilingualen Spielgruppen freier Träger sowie Informationsangebote zum Thema der bilingualen Erziehung.
2017 waren 25% der Neugeborenen in Düsseldorf nichtdeutsch (Amt für Statistik und Wahlen). Im gleichen Jahr lag der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund unter den durch den Elternbesuchsdienst besuchten Familien bei 33%. Entsprechend liegt die Erreichbarkeit über dem Bevölkerungsanteil, was für eine gute Akzeptanz des Dienstes bei Familien mit Migrationshintergrund spricht. Der Elternbesuchsdienst kann momentan Gespräche auf Englisch, Französisch, Serbisch und Russisch anbieten, Arabisch wird derzeit erworben. Auch stehen einige der vom Elternbesuchsdienst genutzten Informationsmaterialien und Flyer in diversen Sprachen zur Verfügung.

Schon jetzt geht der Bezirkssozialdienst aktiv auf Familien zu, bei denen ein Hilfe- und Unterstützungsbedarf bekannt wird. Dies gilt insbesondere bei Hilfen zur Erziehung und Familien, die durch das Gesundheitsamt und das Jugendamt im Rahmen des Programmes „Zukunft für Kinder“ betreut werden. Hier wird der regelmäßige Besuch der Kita oder Kindertagespflege unterstützt und gefördert, gegebenenfalls wird gemeinsam mit der Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder ein geeigneter Platz organisiert.
Im i-Punkt Familie hat darüber hinaus eine Mitarbeiterin die Aufgabe, sich ausschließlich um die Vermittlung von Betreuung für Kinder aus Familien mit Fluchthintergrund zu kümmern. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Amt für Migration und Integration sowie mit den Trägern von Tageseinrichtungen für Kinder bzw. den Kindertageseinrichtungen direkt.
Stadtteil- und Familientreffs sind Orte der Begegnung und Bildung. Hier haben Familien, insbesondere auch "Neu-Düsseldorfer", die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und erhalten durch kompetente Ansprechpersonen Antworten auf viele Fragen und Unterstützung bei Problemen.
Neben Informationen zu Erziehungsfragen, Gesundheit und Alltagsbewältigung, erhalten Familien Unterstützung bei der Frage der Kinderbetreuung. Ein besonderes Anliegen der Stadtteil- und Familientreffs ist die Förderung der Integration der Familien unterschiedlichster Herkunft in den Stadtteilen. Die Anbieter der Familienbildung sind wiederum eng mit den Familienzentren vernetzt und führen in Kooperation viele Angebote durch.
In Stadtteil- und Familientreffs und auch in einigen der Düsseldorfer Bürgerhäuser werden Spielgruppen und andere niedrigschwellige Betreuungsangebote vorgehalten und Eltern somit an Betreuungsangebote herangeführt.
Als Kultur- und Stadtteilzentren bieten acht Düsseldorfer Bürgerhäuser ein vielfältiges, generationenübergreifendes Angebot von der Krabbelgruppe über die Familienbildung bis hin zum Seniorentreff. Musische, kreative, künstlerische, sportliche und kulinarische Projekte, Workshops und Kurse bieten für jeden Geschmack und jede Altersgruppe das Richtige. In den Bürgerhäusern sind Kooperationen mit Institutionen der Integrationsarbeit, wie Welcome-Points, Migrantenselbsthilfeorganisationen sowie Seiteneinsteigerklassen gefestigt und finden in gemeinsamen Veranstaltungen, Programmen und Aktionen Ausdruck.