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Ratsfraktion

NS-Raubkunst in Düsseldorfer Museen

Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf aus aktuellem Anlass zur Sitzung des Rates am 01. Februar 2018:

Am 25.01.2018 berichtete die Rheinische Post in dem Artikel  „Raubkunst – Geisel trifft Kritiker in den USA“ über die Absage der Max-Stern-Ausstellung und den umstrittenen Umgang der Stadt Düsseldorf mit Raubkunst-Vorwürfen. In dem Artikel heißt es: „Überraschend gibt es ein weiteres Gemälde unter Verdacht – und schon wieder eine merkwürdige Kommunikation der Stadt. Der Fernsehsender 3sat hatte über den Stern-Streit berichtet. Kurz vor der Ausstrahlung informierte Lohe die Journalisten, dass das Gemälde ‚Abendstimmung an der Nordsee‘ von Heinrich Heimes auch Raubkunst sein könnte.“

Weiter heißt es:  „Kurios: So neu ist der Verdacht nicht. Das Stern-Projekt hat das Werk vor mehr als zehn Jahren in einer Datenbank eintragen lassen. Jetzt hatte ein Forscher, der für das Projekt arbeitet, explizit darauf hingewiesen – offenbar geriet es erst dadurch in den Fokus. Laut [Kulturdezernent] Lohe war das Werk unter einem anderen Titel verzeichnet. Weitere Recherchen liefen.“

In der Westdeutschen Zeitung am 24.01.2018 wird der Kulturdezernent Lohe ebenfalls zu dem Thema wiedergegeben. Dort heißt es, es „sei unsicher, ob es sich um ein Gemälde handele, das 1937 bei der Auktion angeboten worden sei. Das Gemälde im Depot heißt ‚Sonnenuntergang an der Nordsee‘. Im Katalog der Auktion ist ein Werk namens ‚Abendstimmung an der Nordsee‘ aufgeführt. […] Die Stadt untersucht nun, ob es sich um dasselbe Bild handelt und ob es auch versteigert wurde, beziehungsweise auf welchen anderen Wegen es ins Depot des Museums gelangt ist.“

Die städtische Provenienzexpertin Jasmin Hartmann äußert sich in der Rheinischen Post vom 29.01.2018 zu weiteren Kunstwerken, die im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein: „Aktuell gibt es vier Kunstwerke, in denen um Auskunft gebeten wurde, weil die Erben vermuten, dass es sich um NS-Raubkunst handelt: Das sind die ‚Füchse‘ von Franz Marc sowie ‚Das Bildnis der Kinder des Künstlers‘ von Wilhelm von Schadow. Zudem gibt es zwei Fälle, bei denen die Recherchen noch am Anfang stehen“.

Gerade bei dem sensiblen Thema NS-Raubkunst sollte aus Sicht der LINKEN mit der größtmöglichen Transparenz gearbeitet werden. Daher fragt DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf an:

  1. Seit wann ist der Verwaltung bekannt, dass das Gemälde von Heinrich Heimes Raubkunst sein könnte, wie ist der aktuelle Stand der Recherchen und wie wird mit diesem Gemälde weiter verfahren?
     
  2. Wie viele Kunstwerke wurden in welchen Kunst- und Kulturinstitutionen bislang daraufhin überprüft, ob es sich um Raubkunst handelt und wie viele sind noch zu überprüfen?
     
  3. Wurden bei der Überprüfung weitere Kunstwerke entdeckt, bei denen es Anhaltspunkte gibt, dass es sich um Raubkunst handeln könnte und falls ja, um welche handelt es sich?

Mit freundlichen Grüßen
 

Angelika Kraft-Dlangamandla                                   Lutz Pfundner

 

Antwort der Verwaltung am 01.02.2018 (Beigeordneter Lohe)

zu Frage 1: Die Stadt Düsseldorf hat in den vergangenen Wochen sämtliche Werke, die mit Max Stern nach unserem Kenntnisstand in Verbindung standen, recherchiert und auf der städtischen Website online gestellt hat. Nach aktuellem Forschungsstand (vom 19.12.2017) befinden sich heute 35 Gemälde in den Sammlungen der Landeshauptstadt Düsseldorf, die ehemals über die Kunsthändler Julius Stern (1867- 1934) oder seinen Sohn Max Stern (1904-1987) bzw. deren Galerie gehandelt worden sind. 30 der Gemälde sind vor 1933 für die städtischen Sammlungen erworben worden, 5 Gemälde nach 1933 bis heute. Die Provenienz der Werke ist inzwischen auf emuseum.duesseldorf.de/view/objects/aslist/6773 abrufbar.
Am Freitag, den 19. Januar, erreichte die Stadt Düsseldorf die Nachricht, dass Herr Korte, Provenienzforscher für das Max Stern Art Restitution Project, sich nach einem vom Max Stern Art Restitution Project der Datenbank Lostart gemeldeten Gemälde erkundigt habe, das sich nicht unter den veröffentlichten Werken Düsseldorfs befindet: http://www.lostart.de/DE/Verlust/309246.
Das dem Lostart-Eintrag beigefügte Foto stimmt mit einem Gemälde überein, das im Depot des Museum Kunstpalasts lagert. Die Grunddaten des Lostart-Eintrags stimmen jedoch nicht mit den Grunddaten, die das Museum vorhält, überein. Weder Stadt noch Museum war vorher bekannt, dass das Gemälde evtl. über die Galerie Stern gehandelt worden ist. Weitergehende Prüfungen sind erforderlich, ob das über Lostart gesuchte Werk tatsächlich identisch ist mit dem Gemälde im Museum Kunstpalast.

zu Frage 2: Die Landeshauptstadt Düsseldorf arbeitet seit Jahren auf Grundlage der Washingtoner Erklärung (1998), der Gemeinsamen Erklärung (1999), der Theresienstädter Erklärung (2009) sowie nach Maßgabe der Handreichung (2001). Es ist ihr ein großes Anliegen, mögliche, in ihrem Besitz befindliche Raubkunst zu identifizieren und gerechte und faire Lösungen zu finden.
Seit 2010 initiierte die Stadt fünf Provenienzforschungsprojekte, gefördert von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung bzw. (seit 2015) des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, um die systematische Provenienzforschung in den Düsseldorfer Sammlungsbeständen voranzutreiben:

- Provenienzermittlung von Ankäufen der Abt. Moderne in den 1950er–1960er
  Jahren (01|2010–06|2012; 154 Gemälde)
- Provenienzforschung des Gemäldes Friedrich Wilhelm von Schadow,
  Selbstbildnis (01|2012–06|2012; 1 Gemälde)
- Provenienzrecherchen zu 200 Erwerbungen der Abteilung Gemäldegalerie im
  Zeitraum 1933–1945 (09|2012–05|2015; 200 Gemälde)
- Provenienzrecherche zur expressionistischen Graphik der Sammlung Dr.
  Hans Lühdorf (09|2014–05|2015; etwa 120 Papierarbeiten)
- Provenienzrecherche Franz Marc, Füchse, 1913 (09|2015–04|2016;
  1 Gemälde)

Zur Verstetigung und Systematisierung dieses Anliegens ist im Oktober 2016 eine Planstelle für Provenienzforschung eingerichtet worden. Die Stadt Düsseldorf gehört damit zu den ersten Städten in Deutschland. Aufgabe und Ziel der Stelle ist es, alle Kunst- und Kulturinstitutionen der Landeshauptstadt Düsseldorf (darunter: Museum Kunstpalast, Stadtmuseum, Hetjensmuseum/Deutsches Keramikmuseum, Filmmuseum, Aquazoo Löbbecke Museum, Goethe Museum, Theatermuseum, Heinrich-Heine-Institut, Schloss und Park Benrath etc.) hinsichtlich laufender Auskunfts- und Restitutionsgesuche, der Durchführung bzw. Koordinierung systematischer Provenienzforschung in den Sammlungsbeständen, der Beratung und Unterstützung bei der Prüfung von Neuerwerbungen sowie der allgemeinen Sensibilisierung und Vermittlung der Resultate in der Provenienzforschung zu unterstützen.
Neben den prioritär behandelten anlassbezogenen Provenienzrecherchen erarbeitet die Stelle für Provenienzforschung zur erfolgreichen und effizienten Erfüllung der genannten Aufgaben eine Infrastruktur.
Derzeit kann keine Aussage darüber gemacht werden, wie viele Objekte in sämtlichen städtischen Kunst- und Kulturinstitutionen im Hinblick auf einen möglichen NS-verfolgungsbedingten Entzug untersucht werden müssen. Eine Prüfung schließt alle Objekte ein, die vor 1945 entstanden sind und seit 1933 bis heute Eingang in die Sammlungen gefunden haben und in Zukunft noch finden werden. Die Bestandserfassung der Institutionen, die Voraussetzung für die Prüfung ist, dauert an.

zu Frage 3: In den bislang durchgeführten temporär befristeten Provenienzforschungsprojekten (vgl. Frage 2) konnten weitere Verdachtsmomente auf NS-Raubkunst eruiert werden, denen im Rahmen der systematischen Provenienzforschung weiter nachgegangen werden muss.
Das Vorgehen der Provenienzforschung in der Bearbeitung der Fälle ist prioritär anlassbezogen bzw. systematisch nach Grad des Verdachts und nach Stand der Information, Dokumentation und Quellenlage.