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Jugendhilfeaussschuss

Runder Tisch Kinderarmut

Antrag der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 26. Juni 2018:

Der Oberbürgermeister wird aufgefordert, einen „Runden Tisch Kinderarmut“ einzurichten.

Der Runde Tisch soll unter Beteiligung verschiedener Akteure (z.B. aus den Wohlfahrtsverbänden, dem Jobcenter, den Wohnungsgesellschaften, dem Gesundheitsbereich, den Sportvereinen, den Migrantenselbstorganisationen, den Schulen, den Kindertagesstätten, dem Jugendring, der Rheinbahn sowie Vertretern der einzelnen Fraktionen) einen Maßnahmenplan zur Reduzierung der Kinderarmut in Düsseldorf erarbeiten.

Begründung:
Kinderarmut ist kein marginales Phänomen – nirgends in Nordrhein-Westfalen gibt es so hohe Kinderarmut wie im Regierungsbezirk Düsseldorf. Insbesondere in Haushalten von Alleinerziehenden, Arbeitslosen, Teilzeitbeschäftigten sowie Migrantinnen und Migranten gehört Kinderarmut zum Alltag. Armut wirkt sich für Kinder in vielen ihrer zentralen Lebensbereiche negativ aus. 

Oftmals haben die betroffenen Kinder nicht einmal die Chance,  der Armutsspirale zu entkommen. Aus einer Kindheit in Armut wird oftmals eine lebenslange Benachteiligung. Auf geringe materielle Ressourcen  im jungen Alter folgen meist auch schlechtere Bildungs- und Zukunftsperspektiven. 

Im Monitoringbericht zur sozialen Lage in Düsseldorf des Amtes für Statistik und Wahlen heißt es:

„Der Anteil der Kinder unter 15 Jahre, die in SGB II-Bezug leben, an allen Kindern dieser Altersklasse, liegt im Jahr 2015 bei 21,2%. Die Werte in den Stadtteilen zeigen deutliche Unterschiede und streuen zwischen 0,5% und 45,4%.“

Weiter heißt es: „Während in Garath (45,4%) und Hassels (42,9%) annähernd jedes zweite Kind in einer SGB II-Bedarfsgemeinschaft aufwächst, betrifft dies in Himmelgeist (0,5%) und Carlstadt (0,7%) nur eine absolute Minderheit. Mit Blick auf die Veränderung zeigt sich, dass zwischen 2010 und 2014 in 19 von 50 Stadtteilen die Quote angestiegen ist. Die zwei Stadtteile mit den höchsten Zunahmen sind Reisholz (+9,3) und Garath (+5,7).“

Im vergangenen Jahr wurde unter dem Titel „Oft scheitert es schon an der Fahrkarte für den Bus“ eine Armutsexpertin der Diakonie in Düsseldorf in der Rheinischen Post interviewt. Diese machte unter anderem darauf aufmerksam, dass von Armut betroffene Kinder aufgrund der in Düsseldorf generell hohen Lebenshaltungskosten besonders benachteiligt sind. Beispielhaft führte sie die Kosten für Schwimmkurse an:

„Die Kosten in Düsseldorf liegen bei 100 Euro pro Kurs. Für viele ist das nicht bezahlbar, erst recht, wenn sie mehrere Kinder haben. Im Sommer bedeutet das aber Ausgrenzung für die Kinder, weil sie nicht mit an den See oder ins Schwimmbad gehen können. Sie sitzen stattdessen alleine zu Hause. Den Kummer darüber hören wir hier oft – und versuchen, den Kurs dann über Spenden zu finanzieren.“

Weiterhin bemängelte die Armutsexpertin die hohen Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel: „Es kommt immer wieder vor, dass wir Kindern das Bahnticket finanzieren müssen. In einem Fall hätte es sonst nicht zum Fußballverein gehen können. Der Verein kostet nicht viel, aber das Kind muss ja auch hinkommen. Das können sich viele Familien nicht leisten. Und wir reden von 35 Euro, die ein Monatsticket für Kinder kostet.“

Zur Verbesserung der Situation schlug die Expertin beispielsweise „ ein kostenloses gesundes Frühstück in der Schule“ vor. Zudem empfahl sie, dass die öffentlichen Verkehrsmittel „für Kinder kostenlos sein“ sollten. 

Vor dem Hintergrund der Kinderarmut in Düsseldorf steht die Stadt in der Pflicht im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Die Einberufung eines Runden Tisches bietet den geeigneten Rahmen, um Möglichkeiten und Handlungsoptionen zu prüfen und Handlungsempfehlungen zur Reduzierung von Kinderarmut in Düsseldorf zu erarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen
 

Lukas Reichert                                 Jacqueline Kiefer