Räumung der Obdachlosenunterkunft auf der Eisenstraße

Rat

Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE. Düsseldorf zur Sitzung des Rates am 11.12.2025 (RAT/430/2025):

Am 26.11.2025 sollten mehr als 60 Bewohner:innen der Obdachlosenunterkunft auf der Eisenstraße 49 in andere Unterkünfte umgesiedelt werden. Unter Ihnen waren viele Suchtkranke in Substitutionsbehandlung, viele psychisch erkrankte Menschen und Menschen mit verschiedenen Behinderungen. Ebenfalls waren stark Pflegebedürftige darunter.

Einem Artikel der Rheinischen Post war am 27.11. zu entnehmen, dass die Bewohner:innen erst am 3. November davon erfahren haben, die Unterbringung Eisenstraße 49 verlassen zu müssen – aber bis zuletzt nicht das Umzugsdatum erfuhren. Selbst am Tag vor dem anstehenden Umzug wurden sie nicht informiert, wohin sie umgesiedelt würden.

Deshalb fragt Die Linke nach Ursachen und Folgen des Vorgehens der Stadtverwaltung im Fall der Eisenstraße.

Die Linke Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:

1. Aus welchem Grund wurde den Bewohner:innen und den Mitarbeitenden der Wohlfahrtsverbände bis zum Tag vor dem geplanten Umzug nicht mitgeteilt, wohin die Bewohner:innen umgesiedelt würden?

2. Wie wird die medizinische Versorgung (insbesondere hinsichtlich Substitution) und psychologische Betreuung der (ehemaligen) Bewohner:innen der Eisenstraße 49 sichergestellt?

3. Was sind die Pläne und Konzepte für die künftige Nutzung der Räumlichkeiten an der Eisenstraße im Rahmen des Konzepts SiBu, unter Berücksichtigung des näheren Umfelds? (Bitte mit zeitlicher Planung.)

Freundliche Grüße
Sigrid Lehmann                            Matthias Poczatek


Antwort der Verwaltun durch die Beigeordnete Koch:

Antwort zu Frage 1:
Die zukünftige Nutzung der Eisenstraße ist darauf ausgerichtet, dort eine vielseitige und gut erreichbare Einrichtung für unterschiedliche Personengruppen zu schaffen. Das Objekt bietet hierfür ideale Voraussetzungen: Das Gebäude und das dazugehörige Gelände können als großzügige Aufenthalts- und Außenflächen genutzt werden, zusätzlich sollen Räume für medizinische Betreuung, Beratungs- und Ruhemöglichkeiten entstehen. Zu den zentralen Anforderungen an die neue Einrichtung zählen eine zentrale Lage, ein 24/7-Betrieb, ausreichende Außenflächen sowie Schlafmöglichkeiten, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der zukünftigen Nutzenden umfassend gerecht zu werden.

Weitere Informationen zum konzeptionellen Ansatz dieser zukünftigen Nutzung werden in der Antwort zu Frage 3 ausgeführt.

Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden frühzeitig über die grundsätzliche Notwendigkeit einer Verlegung informiert. Die konkreten Zielorte konnten jedoch erst kurzfristig benannt werden, da geeignete und vor allem bedarfsgerechte Unterbringungsmöglichkeiten sorgfältig geprüft und teils neu akquiriert werden mussten. Dabei wurde besonderer Wert darauf gelegt, erneut zentrumsnahe Standorte zu finden, um die bisherige Anbindung an medizinische Versorgung, Beratungsangeboten und weiteren Unterstützungsstrukturen weiterhin sicherzustellen.

Grundsätzlich werden die Wohlfahrtsverbände oder andere externe Akteure bei Verlegungen dann informiert, wenn sie unmittelbar in die Betreuung oder Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner eingebunden sind. In der Eisenstraße trifft dies derzeit lediglich auf die Care 24 Soziale Dienste gGmbH zu, die die Bewohnenden des sogenannten „Düsseldorfer Obdach Unterstützung“ (kurz: DOU) betreuen. Care 24 ist aktiv in alle Prozessschritte der anstehenden Umzüge eingebunden und war zuletzt auch an der Besichtigung eines neuen, potenziell geeigneten Objekts beteiligt.

Darüber hinaus sind die Wohlfahrtsverbände über die „AG Sucht“ im Rahmen des Projektes „Sicherheit im Bahnhofsumfeld (SIBU)“ kontinuierlich über relevante Entwicklungen – einschließlich der zukünftigen Nutzung der Eisenstraße – informiert und eingebunden.

Antwort zu Frage 2:
Die medizinische Versorgung – einschließlich der substitutionsgestützten Behandlung – sowie die psychologische Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner der Eisenstraße 49 bleiben durchgehend gesichert. Bislang wurden keine Personen verlegt, die eine entsprechende medizinische oder therapeutische Versorgung benötigen, sodass bestehende Behandlungsstrukturen aktuell ohne Einschränkung weitergeführt werden können.

Zugleich wird das Ziel befolgt, für die Personen, die im Rahmen des DOU betreutet werden, perspektivisch geeignetere und hochwertigere Räumlichkeiten bereitzustellen. Hierfür steht ein ehemaliges Pflegeheim als vorübergehende Unterbringungsmöglichkeit zur Verfügung, das derzeit gezielt an die spezifischen Bedarfe der Zielgruppe angepasst wird. Auch wenn dieser Standort nicht so zentrumsnah liegt wie die Eisenstraße, wird beispielsweise durch die Einrichtung eines Fahrdienstes – insbesondere zur Sicherstellung einer verlässlichen Substitutionsbehandlung – für eine lückenlose und niedrigschwellige medizinische Anbindung gesorgt.

Sobald Verlegungen von Personen mit besonderem medizinischen oder psychologischen Unterstützungsbedarf anstehen, erfolgt die Planung frühzeitig, individuell und in enger Abstimmung mit dem beauftragten Pflegedienst. Der Träger Care 24 ist – wie bereits beschrieben – eng in alle Schritte eingebunden und unterstützt maßgeblich die Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung und Betreuung.

Ziel aller Maßnahmen ist es, einen stabilen, sicheren und bedarfsgerechten Übergang zu gewährleisten und sowohl medizinische Versorgung als auch psychologische Unterstützung nahtlos fortzuführen.

Antwort zu Frage 3:
Für die künftige Nutzung der Räumlichkeiten an der Eisenstraße im Rahmen des Projektes Sicherheit im Bahnhofs-umfeld (SiBu) wird derzeit ein umfassendes und praxisorientiertes Konzept entwickelt, das sich eng an den Bedarfen des Umfelds orientiert.

Aus der bestehenden Arbeitsgruppe „Suchthilfe, Suchtprävention, Suchtausstieg und Streetwork“ ist hierfür eine eigene Unterarbeitsgruppe Eisenstraße hervorgegangen, die ab dem 04.12.2025 wöchentlich tagt.

Diese Struktur ermöglicht eine besonders intensive Abstimmung und eine schnelle konzeptionelle Weiterentwicklung.

Grundlage bildet ein gemeinsam mit allen Trägern in der großen Arbeitsgruppe erarbeitetes Rahmenkonzept, das nun gezielt auf die räumlichen, sozialen und funktionalen Gegebenheiten der Eisenstraße übertragen und weiter ausgearbeitet wird. Dabei stehen insbesondere folgende Aspekte im Mittelpunkt:
- Schritt-für-Schritt-Konzept zur schnellen Nutzbarmachung der Flächen, um möglichst zeitnah wirksame Hilfen für Menschen auf der Straße bereitzustellen.
- Nutzung der vorhandenen Außen- und Hofflächen als sichere und gestaltete Aufenthaltsbereiche.
- Einrichtung von medizinischen, psychosozialen und Beratungsangeboten, angepasst an die Situation vor Ort.
- Bereitstellung von Ruheräumen, Funktionsflächen und weiteren Angeboten, die eine zentrale, rund um die Uhr nutzbare Unterstützungsstruktur ermöglichen.

Die zeitliche Planung sieht vor, das Konzept in den kommenden Wochen fortlaufend zu konkretisieren und parallel hierzu erste Umsetzungsschritte einzuleiten, damit die Eisenstraße so schnell wie möglich als zentrale und bedarfsgerechte Anlaufstelle im Sinne des SiBu-Gesamtkonzeptes zur Verfügung steht.

Sobald das vollständige Konzept vorliegt, wird es den zuständigen kommunalen Gremien vorgestellt und sukzessive umgesetzt.