Altersarmut in Düsseldorf
Anfrage der Fraktion DIE LINKE zur Ratssitzung am 08.11.2012:
Die Schere zwischen Arm und Reich im Alter geht immer weiter auseinander. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die zunehmende Erwerbstätigkeit im Niedriglohnsektor führen zu immer weniger Rente für die Menschen. Besonders betroffen davon sind Frauen, da sie häufiger im Niedriglohnsektor beschäftigt sind und oftmals größere Lücken in ihrer Erwerbsbiografie auf Grund von Familienarbeit haben.
Laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen droht zukünftig jede/m/r dritten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerin eine Rente unterhalb der Grundsicherung. Die Grundsicherung im Alter wird einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge allerdings nur von einer Minderheit der Berechtigten überhaupt in Anspruch genommen: Von gut einer Million Menschen, denen die Leistung zusteht, bezogen sie nur 340.000. Daraus ergibt sich eine Quote der Nichtinanspruchnahme von 68 Prozent.
Wie sich die aktuelle Situation in Düsseldorf darstellt, sollte der Bericht zur Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren in Düsseldorf aufzeigen. Dieser war laut dem Rahmenplan zur kommunalen Sozialberichterstattung für das Jahr 2011 geplant, in der letzten Ratssitzung wurde auf Anfrage unserer Fraktion jedoch bekannt, dass der Bericht erst im Jahr 2013 erscheinen soll. Im Bericht zur Einkommensverteilung und sozialen Mindestsicherung in Düsseldorf werden Daten zu den Grundsicherungsleistungen im Alter nur bis zum Jahr 2008 gegeben.
Altersarmut bedeutet für die Betroffenen Ausgrenzung, soziale Vereinsamung und eine mangelhafte Wohnsituation. Mit dieser Situation muss sich Düsseldorf auseinandersetzen und entsprechend für die Zukunft reagieren.
DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
- Wie viele RentnerInnen (bzw. Personen im rentenfähigen Alter) leben in Düsseldorf (aufgeschlüsselt nach Geschlecht)?
- Wie viele Personen bezogen in Düsseldorf Grundsicherung im Alter und mit welchem Betrag wurden die zu niedrigen Alterseinkünfte durchschnittlich aufgestockt (aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Jahren seit 2003)?
- Wie prognostiziert die Stadt die weitere Entwicklung in diesem Bereich (aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Jahren bis 2018)?
Freundliche Grüße
Angelika Kraft-Dlangamandla Gilbert Yimbou
Antwort der Verwaltung durch den Beigeordneten Hintzsche:
Vorbemerkung:
Das Thema Altersarmut wird in Düsseldorf bereits politisch diskutiert. Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales und der Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männer befassten sich in diesem Jahr damit. Auch der Seniorenbeirat räumte dem Thema eine besondere Priorität ein und befasste sich in seiner Juli-Sitzung mit der wirtschaftlichen Situation Düsseldorfer Seniorinnen und Senioren. Dabei stellte er im Resümee fest, dass die Diskussion zur Altersarmut zukunftsgerichtet sein muss.
Bestätigung erhält diese Auffassung durch den kürzlich veröffentlichten Sozialbericht des Landes Nordrhein Westfalen und den als Entwurf vorliegenden aktuellen Armutsund Reichtumsbericht der Bundesregierung. Demnach sind ältere Menschen unterdurchschnittlich von Armut betroffen. Mit 11,4 Prozent, wie im Sozialbericht NRW ausgewiesen, lag die Armutsrisikoquote der 65jährigen und Älteren 2010 unter dem Wert (14,7 Prozent) der Gesamtbevölkerung. Auch eine repräsentative Befragung in Düsseldorf aus dem Jahr 2009 belegt, dass ältere Menschen ihre finanzielle Situation überwiegend positiv bewerten. Weitere Informationen wird der Sozialbericht zur Lebenslage älterer Menschen bieten, der im ersten Halbjahr 2013 veröffentlich wird.
Trotz dieser erfreulichen Einkommenssituation, in der sich viele ältere Menschen gegenwärtig befinden, darf das Thema Altersarmut nicht bagatellisiert werden. Menschen im höheren Alter verfügen häufig nicht mehr über die Möglichkeiten und Ressourcen, Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Hier greift die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, die 2003 vom Bund als Instrument zur Überwindung der verdeckten Armut im Alter konzipiert wurde und, wie die Zahlen nachweisen, von der älteren Bevölkerung bei Bedürftigkeit in Anspruch genommen wird. Belastbare statistische Aussagen zur Entwicklung der Bedürftigkeit und Zukunftsprognosen zur Entwicklung der Altersarmut sind aufgrund der Unabwägbarkeit vieler diverser Einflussfaktoren auf kommunaler Ebene nicht möglich.
Düsseldorf hat sich mit dem Projekt „Gemeinsam aktiv für das Alter“ den Erfordernisse des sozialen und demografischen Wandels bereits gestellt und bietet den älteren Menschen in unserer Stadt ein breites Spektrum an Angeboten und Hilfen, das, wie die Nutzerzahlen nachweisen, auf positive Resonanz stößt und gerne in Anspruch genommen wird. Diese Aktivitäten können die Maßnahmen des Bundes jedoch nur ergänzen und zu einer verbesserten Lebensqualität im Alter beitragen. Perspektivisch kann die Vermeidung einer Verarmung künftiger Altengenerationen nur durch die Bundesregierung bewältigen werden.
Frage 1:
Wie viele RentnerInnen (bzw. Personen im rentenfähigen Alter) leben in Düsseldorf (aufgeschlüsselt nach Geschlecht)?
Antwort:
In Düsseldorf gab es am 1. Juli 2011 insgesamt 120.608 Rentnerinnen und Rentner, die entweder eine Versichertenrente, eine Witwen- bzw. Witwerrente oder eine Kombination aus beidem bezogen. Unter den Rentnern befanden sich 71.796 Frauen und 48.812 Männer. 104.188 der Rentnerinnen bzw. Rentnern waren 65 Jahre und älter. Davon waren 61.645 Personen weiblich und 42.543 Personen männlich.
Frage 2:
Wie viele Personen bezogen in Düsseldorf Grundsicherung im Alter und mit welchem Betrag wurden die zu niedrigen Alterseinkünfte durchschnittlich aufgestockt (aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Jahren seit 2003)?
Antwort:
Für die Jahre 2003 und 2004 sind Auswertungen zu den gewünschten Daten nicht möglich. In die Bewertung einbezogen wurden ausschließlich Personen im Alter von 65 Jahren und darüber. Im Jahresmittel bezogen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, folgende Personen Leistungen der Grundsicherung im Alter:
| Jahr | gesamt | davon Frauen | in Prozent | davon Männer | in Prozent |
|---|---|---|---|---|---|
| 2005 | 5.163 | 3.110 | 60,2% | 2.053 | 39,8% |
| 2006 | 5.540 | 3.317 | 59,9% | 2.223 | 40,1% |
| 2007 | 5.850 | 3.475 | 59,4% | 2.375 | 40,6% |
| 2008 | 6.058 | 3.570 | 58,9% | 2.488 | 41,1% |
| 2009 | 6.234 | 3.629 | 58,2% | 2.605 | 41,8% |
| 2010 | 6.510 | 3.775 | 58,0% | 2.735 | 42,0% |
| 2011 | 6.846 | 3.963 | 57,9% | 2.883 | 42,1% |
Leistungen der Grundsicherung werden an Bedarfsgemeinschaften ausgezahlt. Aus diesem Grund ist eine personenscharfe Berechnung eines Aufstockungsbetrages nicht möglich. In die Bewertung des durchschnittlichen Aufstockungsbetrages wurden nur Fälle einbezogen, die über Alterseinkünfte verfügten. Auch hier ist eine Auswertung für die Jahre 2003 und 2004 nicht möglich.
| Jahr | Fallzahl gesamt | Zuschuss in EURO |
|---|---|---|
| 2005 | 2.698 | 389,39 Euro |
| 2006 | 2.962 | 394,56 Euro |
| 2007 | 3.196 | 402,31 Euro |
| 2008 | 3.392 | 412,31 Euro |
| 2009 | 3.545 | 438,74 Euro |
| 2010 | 3.805 | 450,57 Euro |
| 2011 | 4.127 | 476,95 Euro |
Frage 3:
Wie prognostiziert die Stadt die weitere Entwicklung in diesem Bereich (aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Jahren bis 2018)?
Antwort:
Das Amt für Statistik und Wahlen verfügt über keine Prognoserechnung der Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherungsleistungen ab 65 Jahren. Die in der amtseigenen Bevölkerungsprognose veröffentlichte Entwicklung der Personen im Alter von 65 Jahren und älter, stellt sich, bis zum Jahr 2018, wie folgt dar:
| Jahr | Personen insgesamt | davon männlich | davon weiblich |
|---|---|---|---|
| 2005 | 113.303 | 46.791 | 66.513 |
| 2006 | 113.082 | 46.701 | 66.381 |
| 2007 | 112.983 | 46.709 | 66.274 |
| 2008 | 113.309 | 46.951 | 66.358 |
| 2009 | 113.461 | 47.052 | 66.409 |
| 2010 | 113.338 | 46.987 | 66.351 |
| 2011 | 113.206 | 46.950 | 66.256 |
