Anfrage zur Situation der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE. Düsseldorf zur Sitzung des AGS am 13.05.2025 (AGS/019/2025):
Die Linke Düsseldorf bewertet die Situation der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Düsseldorf als nicht mehr tragbar. Darauf macht das Klinikum mit einer kürzlich erschienenen Präsentation von Prof. Dr. Michael Bernhard aufmerksam. Die Fallzahlen in der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums seit der Covid-Pandemie zeigen eine kontinuierliche Steigerungsrate. Mit Tagesspitzenwerten von 170 Patient:innen macht das eine Steigerung von 8 % zum Vorjahr aus.
Um im Universitätsklinikum Düsseldorf weiterhin die Patient:innen mit universitärem Behandlungsbedarf aufnehmen zu können und die jeweiligen
Behandlungen gewährleisten zu können, müssen Patient:innen mit nicht- universitärem Behandlungsbedarf verlegt werden, um hier Aufnahmekapazitäten zu schaffen. Da die Düsseldorfer Krankenhäuser jedoch ebenfalls mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen haben, können lediglich weniger als 16 % der betroffenen Patient:innen innerhalb der Landeshauptstadt verlegt werden. Es muss auf die umliegenden Krankenhäuser der Region wie z.B. das Bethanien in Solingen, das EVK Mettmann und das St. Josef in Haan ausgewichen werden.
Insbesondere die Sicherung der neurologischen Akutversorgung stellt das Klinikum dabei vor eine große Herausforderung.
DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
1. Wie bewertet die Verwaltung die Auswirkungen auf die Situation der Akutversorgung in Düsseldorf? (Bitte nach Möglichkeit mit einer Darstellung der aktuellen Auslastung und einer Prognose.)
2. Gab es Gespräche mit dem Universitätsklinikum bez. mit den Düsseldorfer Kliniken und KV über Maßnahmen zur Stärkung der Notdienstversorgung der Kassenärztlichen Vereinigung? Oder sind solche Gespräche in der Planung?
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Born Cornelia Schlemper Renate Steinsberger
Antwort der Verwaltung durch den Beigeordneten Zaum:
Antwort zu Frage 1:
Akutversorgungskapazitäten sind in der LHD schon länger eine knappe Ressource. Daher wurde 2020 das digitale Zuweisungssystem IVENA in Betrieb genommen. Hiermit wird eine effiziente Zuweisung von Notfallpatienten sichergestellt.
Die Kliniken können in Eigenverantwortung festlegen, welche Krankheits- und Verletzungsbilder sie versorgen können. Außerdem können sie sich im eigenen Ermessen akut „belegt“ melden. In der Regel erfolgt keine Zuweisung von Notfallpatienten in „belegt“ gemeldete Kliniken, das gilt auch für das Universitätsklinikum. Eine Zuweisung in „belegt“ gemeldete Kliniken (eine sogenannte Notzuweisung) erfolgt nur nach individueller telefonischer Absprache oder wenn alle anderen geeigneten Kliniken ebenfalls „belegt“ gemeldet sind.
Notzuweisungen erfolgten im 1. Quartal 2025 in etwa 5 % der Fälle, wobei sich dies nach Fachabteilungen deutlich unterscheidet. Im Bereich der Akutneurologie sind Notzuweisungen zum Beispiel deutlich häufiger. Die Uniklinik erhält ebenfalls häufiger Notzuweisungen, im ersten Quartal 2025 lagen diese bei knapp 14 %. Das hängt mit der spezialisierten Versorgung in der Uniklinik zusammen, hierdurch ist diese für einige Patienten das einzige geeignete Krankenhaus in Düsseldorf.
Eine konsequente Steuerung sogenannter „Selbstzuweiser“, also von Patient*innen, die sich gegen eine Vorstellung im ambulanten Sektor entscheiden und ein Krankenhaus aufsuchen, ist im Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland bisher nicht flächendeckend vorgesehen.
In den Sommermonaten kommt es üblicherweise zu einer Entspannung in der Notfallversorgung. Über die vergangenen Jahre ist allerdings eine zunehmend ganzjährige Auslastung und hohe Inanspruchnahme der Ressourcen in der Notfallversorgung festzustellen. Punktuell kommen auch Überlastungen vor.
Diese Situation besteht bundesweit und wird seit vielen Jahren fachlich und politisch diskutiert, weshalb konkrete Vorschläge und Bestrebungen zu einer Reform auf Bundesebene vorliegen und auch im aktuellen Koalitionsvertrag als “Gesetze zur Notfall- und Rettungsdienstreform” angekündigt sind.
Antwort zu Frage 2:
Es gibt einen monatlichen Austausch in der Regionalen Konferenz, geleitet vom Gesundheitsamt Düsseldorf, an der u.a. die Leitungen der Kliniken, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Ärztliche Leitung Rettungsdienst (ÄLRD) teilnehmen. Es finden monatliche Besprechungen zwischen den Leitungen der Notaufnahmen, der ÄLRD und der Feuerwehr statt.
Im Rahmen des Traumanetzwerkes und des Qualitätsmanagements der Cardiac Arrest Center gibt es regelmäßige Termine zwischen den Kliniken und der ÄLRD. Des Weiteren gibt es häufig anlassbezogene Termine zwischen den Kliniken, der KV und der ÄLRD.
Zusammenfassend kann die Kooperation zwischen der LHD und den Akteuren der Notfallversorgung als eng und gut bezeichnet werden.
