Einsatzfähigkeit der Feuerwehr bei einem möglichen Brand von radioaktiven Frachtgut
Anfrage der Fraktion DIE LINKE zur Sitzung des Rates am 06.6.2013:
Am 1. Mai kam es zu einer Beinahe-Katastrophe im Hamburger Hafen. Auf dem Frachter "Atlantic Cartier" brach ein Feuer aus, das nur unter großen Mühen zu löschen war. Neben vier Tonnen Munition waren auch neun Tonnen radioaktives Uranhexafluorid geladen, das für die Anreicherung von Uran eingesetzt wird. Uranhexafluorid ist leicht flüchtig, radioaktiv und äußerst giftig. Es ist eine sehr aggressive Substanz, die nahezu jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. Es reagiert extrem heftig mit Wasser. Deshalb musste sich die Hamburger Feuerwehr mit dem Einsatz von Löschwasser zurückhalten. Erst etwa siebeneinhalb Stunden nach Ausbruch des Brandes konnten die gefährlichen Container vom Schiff entfernt werden. Nur weil die Feuerwehrleute ihr Leben und ihre Gesundheit riskierten, kam es nicht zur Katastrophe. Die beteiligten Behörden versuchten das Ausmaß zu vertuschen, das erst durch eine Anfrage im Senat zumindest teilweise ans Licht kam. Unter anderem stellte sich heraus, dass weder im Hamburger Hafen noch in den umliegenden Bundesländern genügend Kohlendioxid für die Feuerwehr bereit stand, das als ungefährliches Löschmittel hätte eingesetzt werden können.
Es ist davon auszugehen, dass auch über und durch Düsseldorfer Stadtgebiet radioaktive Fracht auf Wasser, Schiene und Strasse transportiert wird.
Vor diesem Hintergrund frage DIE LINKE. Ratsfraktion an:
- Wird die Stadt bzw. Feuerwehr auch weiterhin (siehe Anfrage 01/219/2010) nicht über radiaktive Transporte über oder durch das Stadtgebiet informiert?
- Wie ist die Düsseldorfer Feuerwehr ausgerüstet für radioaktive Zwischenfälle (Anzahl Strahlenschutzbekleidung, Ausstattung, etc.)?
- Wird in Düsseldorf bzw. in den umgebenden Kommunen genug Kohlendioxid gelagert, um einem eventuellen Zwischenfall mit Uranhexafluorid zu begegnen?
Freundliche Grüße
Angelika Kraft-Dlangamandla Gilbert Yimbou
Antwort der Verwaltung durch die Beigeordnete Stulgies:
Frage 1:
Wird die Stadt bzw. Feuerwehr auch weiterhin (vgl. Anfrage 01/219/2010) nicht über radioaktive Transporte über oder durch das Stadtgebiet informiert?
Antwort:
Ja.
Frage 2:
Wie ist die Düsseldorfer Feuerwehr ausgerüstet für radioaktive Zwischenfälle (Anzahl Strahlenschutzbekleidung, Ausstattung, etc.)?
Antwort:
Die Feuerwehr Düsseldorf bereitet sich nach Maßgabe der Feuerwehr- Dienstvorschrift 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“ vor. Jedes Löschfahrzeug der Berufsfeuerwehr ist neben der standardmäßigen Atemschutzausstattung mit Kontaminationsschutzhauben und Chemiekalienschutzanzügen ausgerüstet und führt Messgeräte zur Dosiswarnung mit.
Weitere Schutzausrüstung, ergänzende Messtechnik und Dekontaminationsausrüstung wird zentral an der Technik- und Umweltwache vorgehalten.
Frage 3:
Wird in Düsseldorf bzw. den umgebenden Kommunen genug Kohlendioxid gelagert, um einem eventuellen Zwischenfall mit Uranhexafluorid zu begegnen?
Antwort:
Kohlendioxid wird als gasförmiges Löschmittel genutzt, um durch Sauerstoffverdrängung Brände durch Ersticken einzudämmen. Anders als bei der Hochseeschifffahrt werden bei der Binnenschifffahrt Container in oben offenen Laderäumen transportiert und aufgrund der geringen Tiefgänge der Binnenschiffe ist bestenfalls ein Container vollständig im Laderaum versenkt; ggf. weitere ragen bereits darüber hinaus. Ein Einsatz gasförmiger Löschmittel ist unter diesen Bedingungen nicht erfolgversprechend.
Als alternatives, wasserfreies Löschmittel kommt Löschpulver in Betracht. Dieses steht in größeren Mengen durch insgesamt sechs Tanklöschfahrzeuge und einen Abrollbehälter zur Verfügung.
