Zum Hauptinhalt springen

Erweiterungsbau Kunstakademie

Rat

Anfrage der Ratsfrau Marmulla der Ratsfraktion DIE LINKE zur Sitzung des Rates am 18.11.2021:

Die Düsseldorfer Kunstakademie, gegründet im Jahre 1773, kann auf knapp 250 Jahre Geschichte zurückblicken und genießt einen international renommierten Ruf. Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Anzahl der Studierenden immer weiter gestiegen und somit auch die Anzahl derer, die sich die Werkstätten und die gesamten Räumlichkeiten teilen müssen. Die Rheinische Post berichtete am 20.September 2021 dazu: " Die Akademie wünscht die Erweiterung auch deshalb, weil die Zahl der Studierenden stark gestiegen ist. 2009 lag sie noch bei 360, derzeit gibt es 650. Der vorhandene Platz reicht für den Ausbau der Werkstätten daher nicht aus." Somit besteht Handlungsbedarf. Geplant ist, die Wiese neben dem Hauptgebäude zu bebauen. Dafür hat der Stadtrat in seiner Septembersitzung die zu bebauende Wiese per Erbbaurecht der Kunstakademie übertragen. Den Entwurf dazu fertigte der Rektor der Kunstakademie, Karl-Heinz Petzinka, an. Als Architekt will er die Planung selbst übernehmen.

Die Diskussionen rund um den geplanten Neubau und die bisherige Vorgehensweise nehmen zu. So schrieb der Düsseldorfer BDA- Vorsitzende Georg Döring, der mit einem Offenen Brief auf den Entwurf des Rektors reagierte: "Hier baut sich der Rektor sein eigenes Denkmal". Kritik kommt teilweise auch aus der Studierendenschaft, die eine eine Petition startete und einen öffentlichen Wettbewerb fordert (vgl.
https://weact.campact.de/petitions/offentliche-ausschreibung-desanbauvorhabens- der-kunstakademie-dusseldorf).

Ein weiterer Aspekt, der in der bisherigen Diskussion nicht genügend Beachtung fand, ist der Entwurf des Realisierungswettbewerbs zum Blaugrünen Ring, den 2019 das Frankfurter Büro "Raumwerk" gewann. Dieser sieht vor, Rampe und Verkehrsschneise der Oberkasseler Brücke zurückzubauen und unterhalb eines neu zu schaffenden, öffentlichen Plateaus, Werkstätten zu errichten.

Deshalb fragt Ratsfrau Marmulla an:

  1. Warum erfolgte bisher keine Beteiligung der Öffentlichkeit bei diesem Vorhaben?
     
  2. Gibt es geeignete andere Liegenschaften für eine Erweiterung der Kunstakademie und gibt es alternativ die Möglichkeit bestehende öffentliche Gebäude zu nutzen bzw. umzunutzen?
     
  3. Ist geplant, den Siegerentwurf zum Blaugrünen Ring bei dem Vorhaben miteinzubeziehen (Wenn ja, in welchem Umfang? Wenn nein, warum nicht?)

Mit freundlichen Grüßen
Julia Marmulla


Antwort der Verwaltung durch Beigeordnete Frau Zuschke:

zu Frage 1:
Die Beteiligung der Öffentlichkeit in klassisch analogen, digitalen und hybriden Formaten ist bei sämtlichen Projekten privater und öffentlicher Bauherren in Düsseldorf, die bei der Qualitätssicherung von der Stadtverwaltung regelmäßig kon-struktiv begleitet werden, ein zentraler Baustein sogar bereits im Vorfeld von Bauleitplanverfahren. Im vorliegenden Fall soll vor einem Baugenehmigungsverfahren das Angebot einer Beteiligung der Öffentlichkeit gemacht werden.

Zu den Plänen der Erweiterung der Kunstakademie fand eine erste Beteiligung der Öffentlichkeit am 12. September 2021 im Rahmen des Tages des offenen Denkmals statt. Die Vorstellung eines Entwurfes durch die Kunstakademie an diesem Tag sollte den Auftakt zu einem intensiven öffentlichen Planungs- und Dialogprozess darstellen, bei dem die Kunstakademie als Bauherrin und Projektverantwortliche durch die Stadtverwaltung unterstützt wird.

Inhaltlich scheint es für eine transparente und angemessene Qualifizierung des Projektes zielführend, insbesondere folgende Aspekte zu thematisieren:

  1. Fachliche Rahmenbedingungen der Erweiterungsplanung: Welche Aspekte wurden neben Denkmalschutz, Baumerhalt, Grundstücksverhältnissen, Wegebeziehungen und baurechtlicher Situation berücksichtigt und was gilt es darüber hinaus bei den Erweiterungsplanungen ggf. zu berücksichtigen?
     
  2.  „Zukunftsqualitäten“: Welche räumlichen Anforderungen haben die Fachbereiche Kunst und Kunstbezogene Wissenschaften der Kunstakademie Düs-seldorf aktuell und voraussichtlich in Zukunft? Wie könnten diese Anforderungen baulich übersetzt werden?
     
  3.  Stadträumlicher Kontext: Welche stadträumlichen Beziehungen gibt es und welche Synergien könnte es geben? Welche Chancen und Risiken birgt der Entwurf einer Erweiterung der Kunstakademie für den Ort und die Nachbarschaft? Wie verhält sich der Entwurf zu den Erkenntnissen aus dem Blaugrünen Rings (vgl. Beantwortung zu Frage 3)

Die Kunstakademie Düsseldorf führt aktuell eine akademieinterne Workshop-
sequenz durch, deren Ergebnisse im Sinne der Qualifizierung zur Verfügung gestellt werden.

Zu Frage 2:
Der vorliegende Entwurf der Kunstakademie kann als Willensäußerung dahingehend verstanden werden, dass die räumliche Erweiterung in Nähe zur Kunstakademie stattfinden soll. Die Frage, ob in deren Umfeld Liegenschaften für eine Nutzung durch die Kunstakademie in Frage kommen, kann, selbstverständlich bei Einbeziehung von Kunstakademie und jeweiligen öffentlichen und oder privaten GrundstückseigentümerInnen, im Rahmen der Qualitätssicherung erörtert werden, muss aber im Grundsatz von Akademie und Land als Option eingespeist werden.

Zu Frage 3:
Ziel des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs Blaugrüner Ring war es, die zahlreichen und vielfältigen Kunst- und Kultureinrichtungen zwischen Rhein und Königsallee in Verbindung zu setzen und diese zu einem ganzheitlich erlebbaren Gesamtbild zusammenzuführen.
Außerdem sollten die wichtigen Orte eine symbolhafte Qualifizierungsidee erfahren, die dem Gedanken des Ganzen folgt. Einen Realisierungsanspruch sollte es bewusst nicht geben, da für bauliche Erweiterungsabsichten oder perspektivische Vorhaben keine Raumprogramme existierten. Eine räumliche Betrachtung allerdings mit Möglichkeitsaspekten war ausdrücklich im Sinne einer Vision gefordert und soll in allen folgenden konkreten Projekten reflektiert werden.
Wir haben uns sehr bewusst entschieden, nicht nur einen Gesamtentwurf zu entwickeln, sondern die Vision des Grünverbundes in jedes anstehende Projekt bausteinartig zu implementieren. Genau das, nämlich die Stärkung öffentlicher Räume oder auch die Rückgewinnung unversiegelter Flächen als „return to nature“ bei Neubauten, haben wir auch diesem aktuellen Projekt an die Hand gegeben. Eine erste Idee der Kunstakademie einer Bebauung der nahe des Tunnelmundes gele-genen Grünflächen haben wir vor diesem Hintergrund seitens der städtischen Fachverwaltung abgelehnt.

Während des Wettbewerbs, d.h. von der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung vom Sommer 2018 bis zur Wettbewerbsauslobung im November 2018 und dem Juryentscheid im Dezember 2019, lagen belastbare (technische) Raumbedarfe der Kunstakademie Düsseldorf nicht vor. Der Bereich „Hofgarten/ Tonhalle/ Ehrenhof/ Kunstakademie“ war als Plangebiet „Nord“ eines der vier Plangebiete, die es als TeilnehmerIn zu beachten gab. Die Auslobung wurde seitens der Stadt Düsseldorf offen und ohne feste Funktionszuweisung zu den, von den TeilnehmerInnen frei zu
entwickelnden, Baumassen gestaltet. Es wurden in einzelnen Wettbewerbsbeiträgen Erweiterungsbauten im Umfeld der Kunstakademie für unterschiedliche Nutzungen vorgeschlagen und Raumreserven in Zusammenhang mit Freiraumschaffung eruiert.

Um bei der anstehenden Qualitätssicherung auch für eine Erweiterung der Kunstakademie die Kompatibilität des Entwurfes mit übergeordneten Planwerken sicher zu stellen, sollte die Einbeziehung einzelner Mitglieder des Preisgerichts zum Wettbewerb Blaugrüner Ring und oder deren Preisträger*innen in Betracht gezogen werden. Für eine insofern erforderliche Qualitätssicherung muss mit den Verantwortlichen des Projektes eine adäquate Beteiligungs- und Qualifizierungskulisse entwickelt werden, die dem fachlichen aber auch stadtgesellschaftlichen Anspruch gerecht wird.

Dafür können die Erfahrungen aus anderen Projekten bis hin zu maßgeschneiderten Formaten herangezogen werden, wenn Akademie und Land darauf zurückgreifen wollen.

Zurück zum Kopf der Seite