Gewaltprävention durch Täterarbeit
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE. Düsseldorf zur Sitzung des GLA am 01.04.2025 (GLA/007/2025):
Im November 2024 wurde das Lagebild von BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer gemeinsam mit der Bundesinnenministerin Nancy Faeser sowie der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Lisa Paus, in Berlin vorgestellt. Laut Bericht des Bundeskriminalamtes (BKA) von 2023 wurden 256.000 Opfer von häuslicher Gewalt erfasst. Das waren 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr.1
Diese Datenbasis wird jährlich erhoben und soll zur Kriminalitätsbekämpfung und zur Prävention beitragen sowie in der kriminologischen Forschung genutzt werden. Das Lagebild kommt damit den Forderungen der sogenannten Istanbul- Konvention nach.
Nach dem Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt vom 11.05.2011 ist unter Kapitel III – Prävention, Artikel 12 – Allgemeine Verpflichtungen festgehalten, dass erforderliche Maßnahmen getroffen werden sollen, die Veränderungen von sozialen und kulturellen Verhaltensmustern von Frauen und Männern zum Ziel haben, die auf Vorstellungen der Unterlegenheit der Frau oder auf Rollenzuweisungen für Frauen und Männer beruhen.2 Zu der Präventionsarbeit zählen auch Bewusstseinsbildung (Artikel 13), Bildung (Artikel 14), Aus- und Fortbildungen von Angehörigen bestimmter Berufsgruppen (Artikel 15) sowie Vorbeugende Interventions- und Behandlungsprogramme (Artikel 16).
Das Land Nordrhein-Westfalen hat ein Förderprogramm „Täterarbeit“ von 2021 bis 2024 mit 3,9 Millionen Euro zur Schaffung eines flächendeckenden und vernetzten Angebotes von Maßnahmen zur Verfügung gestellt.3 Auf dem Opferschutzportal Nordrhein-Westfalen wird für Düsseldorf die Diakonie Düsseldorf lediglich erwähnt.4
1 https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/241119_BLBStraftatengegenFrauen2023.html
2 https://rm.coe.int/1680462535
3 https://www.mkjfgfi.nrw/menue/gleichstellung/gewaltschutz-und-gewaltpraevention/foerderung-von-taeterarbeit-faellen
4 https://www.opferschutzportal.nrw/sites/default/files/2022-10/taeterarbeits-beratungsstellen_2022_barrierefrei_1.pdf
DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
1. Welche Programme, Maßnahmen der Prävention, Bewusstseinsbildung, Bildung, Aus- und Fortbildungen von Angehörigen bestimmter Berufsgruppen nach Artikel 12 bis 16 der Istanbul- Konvention werden in Düsseldorf zur präventiven Täterarbeit seit 2020 inklusiv der Teilnahmegebühren, die sich für sie ergeben, bis heute angeboten?
2. Wie haben sich die Teilnehmendenzahlen in den letzten fünf Jahren entwickelt; aufgegliedert in Jugendliche unter 18 (m, w, d) und Erwachsene (m, w, d)?
3. Konnten Zuschüsse vom Land NRW akquiriert werden, wenn ja welche, wenn nein warum nicht?
Mit freundlichen Grüßen
Inge Heuschen Petra Müller-Gehl
Antwort der Verwaltung:
Antwort auf die Fragen 1 - 3:
Das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung begrüßt ausdrücklich die wach-
sende gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit für die Rolle von Männern und
Jungen in Bezug auf die Prävention von Gewalt gegen Frauen.
Gewalt ist ein strukturelles wie individuelles Problem, welches eng mit Männlichkeits-
normen verknüpft ist. Ein zentraler Fokus einer präventiven Männer- und Jungenarbeit
liegt darauf, gewaltfreie Konfliktlösungen und emotionale Ausdrucksfähigkeit zu för-
dern.
Ein wirksamer Gewaltschutz kann nur dann nachhaltig gelingen, wenn er nicht aus-
schließlich reaktiv, sondern auch präventiv angelegt ist.
In diesem Zusammenhang nimmt die geschlechterreflektierte Arbeit mit Männern und
Jungen eine zentrale Rolle ein.
Die Istanbul-Konvention des Europarates, die in Deutschland rechtsverbindlich ist, ver-
pflichtet die Vertragsstaaten in Artikel 12 zur Verhinderung jeglicher Form geschlechts-
spezifischer Gewalt. In den Kapiteln 13 bis16 werden weiter Maßnahmen zur Bewusst-
seinsbildung, Bildung, Aus- und Fortbildung von Angehörigen bestimmter Berufsgrup-
pen sowie vorbeugende Interventions- und Behandlungsprogramme festgeschrieben.
Sie fordert unter anderem „die Förderung von Veränderungen in sozialen und kultu-
rellen Verhaltensmustern von Frauen und Männern, um Vorurteile, Bräuche, Traditio-
nen und alle anderen Praktiken, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit der Frau
oder auf stereotypen Rollen für Frauen und Männer beruhen, zu beseitigen“.
Die Präventionsarbeit mit Jungen und Männern muss sich deshalb explizit mit Ge-
schlechterrollen, Männlichkeitsbildern und Machtverhältnissen auseinandersetzen –
und genau hier setzt geschlechterreflektierte Jungen- und Männerarbeit an.
Primärprävention zielt darauf ab, Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht. Hier geht
es um Bildungsarbeit, Empowerment, die Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen so-
wie die kritische Auseinandersetzung mit patriarchalen Normen.
Sekundärprävention hingegen setzt bei Risikogruppen oder frühen Anzeichen gewalt-
fördernden Verhaltens an – etwa durch gezielte Programme für Jungen mit auffälligem
Sozialverhalten oder für Männer in belastenden Lebenssituationen.
Die Landeshauptstadt Düsseldorf bietet verschiedene Maßnahmen zur Gewaltpräven-
tion und zur Arbeit mit gewaltausübenden Personen an. Die vielfältigen Angebote rich-
ten sich an unterschiedliche Zielgruppen und zielen darauf ab, gewaltbegünstigende
Verhaltensweisen frühzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und langfristige
Verhaltensänderungen zu fördern. Zum Angebot zählen unter anderem Präventions-
projekte an Schulen, spezifische Beratungsformate, soziale Trainingskurse sowie
Schulungen und Fortbildungen für Fachkräfte, die im Kontext von Gewaltprävention
und Täterarbeit tätig sind. Nachfolgend werden die bestehenden Maßnahmen im Detail
dargestellt.
Kriminalpräventiver Rat
Der Kriminalpräventive Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf (KPR) wurde im Jahr
1994, damals noch unter dem Namen „Arbeitskreis Vorbeugung und Sicherheit“, ge-
gründet. Er ist das zentrale Koordinations- und Beratungsgremium der Landeshaupt-
stadt Düsseldorf, das unter Beteiligung örtlicher Gremien und Einrichtungen zur sys-
tematischen Verhütung von Straftaten beitragen soll. Der KPR ist untergliedert in ver-
schiedene Fachgruppen zu relevanten Themengebieten. Als Untergruppe der Fach-
gruppe Häusliche Gewalt findet ein regelmäßiger fachlicher Austausch in der Arbeits-
gruppe Täter*Innen in Fällen von Häuslicher Gewalt statt.
Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung
- Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention
Die Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention im Amt für Gleichstellung und Anti-
diskriminierung ist zuständig für die Umsetzung der Konvention auf kommunaler
Ebene. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde der Aktionsplan „(Sexualisierte) Gewalt
unter Erwachsenen“ erarbeitet. Der Aktionsplan umfasst geeignete Maßnahmen zur
Gewaltprävention sowie zur Weiterentwicklung der Hilfeinfrastruktur für gewaltbe-
troffene Erwachsene.
- Diversitymanagement Schwerpunkt Männer und Jungen
Das Amt hält ein Beratungsangebot „Männersache“ für Männer* und Jungen* zu
unterschiedlichen Beratungsschwerpunkten vor (u.a. zur Krisen und Konfliktbewäl-
tigung, Selbstsorge Gesundheit, Umgang mit Aggressionen und Gewalterfahrung).
Die Istanbulkonvention unterstreicht den Aus- und Fortbildungsbedarf von Ange-
hörigen bestimmter Berufsgruppen. Die zuständige Sachbearbeitung für den
Schwerpunkt Männer und Jungen absolviert derzeit sowohl eine zweijährige Fort-
bildung zur Systemischen Männerberatung als auch eine digitale Selbstlernfortbil-
dung zur Jungenarbeit der LAG-Jungenarbeit NRW um den spezifischen Bedarfen
gerecht zu werden.
Amt für Soziales und Jugend
Die gendersensible Netzwerkarbeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in
Düsseldorf verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche unabhängig von Geschlecht oder
Identität in ihrer individuellen Entwicklung zu stärken und bestehende Benachteili-
gungsstrukturen und Stereotype in Frage zu stellen. Mit dem neuen Gendersensiblen
Netzwerk, sowie der Jungenarbeitsgemeinschaft (JAG), der Mädchenarbeitsgemein-
schaft (MAG) und weiterer geschlechtsspezifischer Arbeitskreise der freien Träger,
schafft die OKJA Plattformen für pädagogische Fachkräfte. Diese Strukturen bieten
Raum für Austausch, Weiterbildung und die Gemeinsame Entwicklung praxisorientier-
ter, geschlechtersensibler Angebote, die den Bedürfnissen der jungen Menschen ge-
recht werden.
Das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung unterstützt und begleitet aktiv die
Arbeit des Gendersensiblen Netzwerkes. Auf die entsprechende Informationsvorlage
(JHA/031/2025) wird hingewiesen.
Beratungsstellen der Jugendhilfe
Die Landeshauptstadt Düsseldorf bietet im Rahmen der Beratungsstellen der Jugend-
hilfe https://www.duesseldorf.de/djeb neben der beraterisch-therapeutischen Einzel-
fallarbeit verschiedene Unterstützungsmaßnahmen zur Gewaltprävention und Täterar-
beit an, die sich auf die Veränderung von tradierten sozialen und kulturellen Verhal-
tensmustern sowie die Prävention von Gewalt konzentrieren.
Eine zentrale Zielsetzung ist die aktive Unterstützung der Umsetzung der Istanbul-
Konvention durch Angebote an unmittelbar betroffene Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene, sowie Eltern und pädagogische Fachkräfte in Kitas und Schulen.
Wichtige Programme und Maßnahmen beinhalten:
- Fachkräfteschulungen: Pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und andere Betreu-
ungspersonen werden zur Prävention von sexualisierter Gewalt geschult. Themen
sind unter anderem die Definition von sexualisierter Gewalt, Täterstrategien, Prä-
ventionsmöglichkeiten und die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.
- Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche: In Workshops und Projekttagen
lernen Kinder und Jugendliche, wie sie sich vor sexualisierter Gewalt schützen kön-
nen. Themen wie “Mein Körper gehört mir” sowie die Stärkung von Ressourcen
werden behandelt. Für Jugendliche werden auch Themen wie Gewalt in Teena-
gerbeziehungen und sexualisierte Gewalt in digitalen Medien angesprochen.
- Schulungen zu digitalen Medien: Es werden Schulungen zur Medienkompetenz und
Sensibilisierung bezüglich sexueller und psychischer Gewalt im digitalen Raum an-
geboten.
Ein zentrales Element zur Stärkung der Präventionsarbeit ist der trägerübergreifende
Arbeitskreis der Fachkräfte der spezialisierten Beratung zur Prävention und Nachsorge
bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Dieser Arbeitskreis fördert
den Austausch und stärkt durch vielfältige Maßnahmen die Schutzstrukturen und Prä-
vention. Die spezialisierte Beratung zur Prävention und Nachsorge bei sexualisierter
Gewalt (in Düsseldorf sind dies sechs 0,5 vollzeitäquivalente Stellen) wird zu 80 Pro-
zent vom Land gefördert und zu 20 Prozent von der Kommune bezuschusst.
Die beraterischen Angebote und präventiven Maßnahmen der Erziehungs-, Familien-
und Jugendberatungsstellen erfolgen im Rahmen der institutionalisierten Regelförde-
rung.
Zukünftig sind weitere Maßnahmen zur Prävention und zur Umsetzung der Istanbul-
Konvention geplant, darunter:
• Projekt „Safespace“: Ein landesgefördertes Projekt zur Prävention von sexueller
Gewalt im digitalen Raum, das durch Workshops und Gruppenangebote für Jugend-
liche sowie Schulungen für Fachkräfte zur besseren Erkennung und Verhinderung
von digitaler sexualisierter Gewalt beiträgt.
• „Echt krass“-Ausstellung (2025): Eine interaktive Ausstellung zum Thema sexuelle
Grenzverletzungen, die sich an Jugendliche der 8. Klassen richtet. Begleitend wer-
den Fortbildungen für Fachkräfte angeboten, um die Ausstellung in den schulischen
Kontext zu integrieren.
• Projekte zur Sensibilisierung für sexuelle Grenzüberschreitungen unter Kindern und
Jugendlichen: Diese Projekte sollen frühzeitig über gesunde Grenzen und respekt-
vollen Umgang miteinander aufklären.
Zudem sind eine Ausweitung der Täterarbeit sowie die dauerhafte Bereitstellung zu-
sätzlicher therapeutischer Angebote für betroffene Kinder und Jugendliche geplant. Ein
weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Sorgeberechtigten und Familien,
um eine ganzheitliche Prävention zu gewährleisten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Düsseldorfer Beratungsstellen der Ju-
gendhilfe mit einem umfassenden Netzwerk von Beratungs- und Präventionsangebo-
ten einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention leisten, insbesondere durch die Um-
setzung der Istanbul-Konvention und die Schaffung von Schutzstrukturen für Kinder
und Jugendliche.
Die Angebote werden geschlechtssensibel konzipiert, weisen jedoch nach wie vor einen
Bedarf für spezialisierte zielgruppenspezifische Angebote für Jungen und Männer auf.
Aus diesem Grund wird eine spezialisierte Beratungsstelle für Jungen und junge Män-
ner als ergänzendes Angebot vorgeschlagen, analog zum bestehenden Beratungsan-
gebot von ProMädchen e.V.
Amt für Schule und Bildung - Zentrum für Schulpsychologie
- #limit – sexuell übergriffige Jugendliche in sozialen Medien
#limit ist eine ambulante Maßnahme für sexuell übergriffige Jugendliche im Kon-
text der Nutzung sozialer Medien und bietet ein soziales Kompetenztraining an.
Das Angebot richtet sich an männliche Jugendliche und Heranwachsende zwischen
14 und 20 Jahren, die unter Verdacht, Anschuldigung, Anklage oder Verurteilung
(Bewährungsauflage oder Weisung) stehen, Straftaten gegen die sexuelle Selbst-
bestimmung unter Einbeziehung von Medien begangen zu haben. Es richtet sich
ferner an Schüler, die im Umgang mit dem Medium Internet und den sozialen Netz-
werken, unter anderem durch sexuelle auffälliges Verhalten, wie z.B. das Versen-
den von pornografischem Material oder sexualisierter Ansprache von Kindern (Cy-
bergrooming), aufgefallen sind. Mit der ambulanten Maßnahme #limit soll diesen
jungen Menschen in einem mehrmoduligen Training sowohl zur Prävention als auch
Intervention Hilfestellung gegeben werden.
Zielgruppe: männliche Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 – 20 Jahren
Umfang: 7 Trainings á 3 h
#limit ist ein Kooperationsprojekt des Jugendamts - Jugendhilfe im Strafverfahren,
der AWO Jugendberatung sowie des Amts für Schule und Bildung - Zentrum für
Schulpsychologie
- Jungengruppe – Persönliche Entwicklung fördern und soziale Fähigkeiten stärken
Das Zentrum für Schulpsychologie bietet eine Schülergruppe gezielt für Jungen der
6. und 7. Klasse an, die sich in ihrer Entwicklung zwischen Kindheit und Jugendalter
befinden. Das Angebot richtet sich an Schüler, die sich mit den Herausforderungen
dieser Entwicklungsphase auseinandersetzen und ihre sozialen, emotionalen sowie
persönlichen Fähigkeiten stärken möchten.
Die Gruppe bietet einen geschützten Rahmen, in dem sich die Teilnehmer über ihre
Erfahrungen austauschen, neue Perspektiven gewinnen und ihre eigenen Stärken
entdecken können. Durch verschiedene Aktivitäten sollen Teamgeist, Verantwor-
tungsbewusstsein und Selbstbewusstsein gefördert werden.
Themenschwerpunkte:
- Selbstbewusstsein und Identität: Auseinandersetzung mit der eigenen Bio-
grafie und persönlichen Zielen
- Soziale Kompetenzen: Umgang mit Konflikten, Teamfähigkeit und Verant-
wortungsbewusstsein
- Emotionale Stärken: Strategien zur Bewältigung von Stresssituationen und
Herausforderungen
- Medienkompetenz: Reflexion über Gaming, Social Media und die Darstellung
von „Männlichkeit“ in den Medien
Zielgruppe: Männliche Schüler der 6. und 7. Klasse
Umfang: 9 Termine á 1,5 h
- Cool in Schule und Freizeit – Berufsbegleitende Qualifizierung im Coolnesstraining
Das Coolnesstraining® orientiert sich an der Primär- und Sekundärprävention,
setzt in Schulen sowie pädagogischen Einrichtungen der Jugendhilfe an. Zielset-
zung der Qualifizierung ist es, kommunikative Kompetenz, methodisches Umgehen
mit Aggressivität sowie die entsprechende Gestaltung von Angeboten zu erlernen
und zu entwickeln. Die Kombination aus praxisbezogener Reflexion, individueller
Erfahrung und theoretischer Auseinandersetzung soll zu einer Strukturierung des
eigenen Handlungsfeldes im pädagogischen Alltag anleiten. Die Teilnehmer*innen
der Fortbildung erlernen, mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein
Training durchzuführen. Im Anschluss an den Theorieblock erfolgt eine Praxisphase
im eigenen pädagogischen Handlungsfeld. Die Teilnehmer*innen führen eigenstän-
dig ein Coolnesstraining durch. Die Qualifizierung endet mit der Präsentation und
Zertifizierung des Trainings. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilneh-
mer*innen ein Zertifikat, welches sie berechtigt Coolnesstrainings durchzuführen.
Die Qualifizierung im Coolnesstraining ist ein Kooperationsprojekt des Amts für Ju-
gend und Soziales – Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz und des Amts für
Schule und Bildung – Zentrum für Schulpsychologie.
In der Qualifizierung spielt das geschlechtersensible Rollenverständnis eine wich-
tige Rolle. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Be-
zug auf herausfordernde Verhaltensweisen sowie den Umgang damit werden the-
matisiert. Die eigene Rolle als männliche/weibliche Lehr- oder Fachkraft wird re-
flektiert.
Zielgruppe: Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, pädagogische Fachkräfte in Ju-
gendfreizeiteinrichtungen
Umfang: 9 Qualifizierungstage á 7,5 h; Praxisphase ca. 5 Trainingstage á 4 h
Fachberatungsstelle für Familien mit Gewalterfahrung (Diakonie Düsseldorf)
Die Fachberatungsstelle für Familien mit Gewalterfahrung bietet Angebote in Gruppen-
und in Einzelsettings für von Gewalt betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene
an.
Die Gruppenangebote werden pauschal durch das Amt für Soziales und Jugend geför-
dert. Die jeweilige Fördersumme ist unter den Beschreibungen der Angebote aufge-
führt.
Der Zugang zu den Einzelangeboten für gewalttätig handelnde oder von Gewalt be-
troffene Eltern, Kinder und Jugendliche erfolgt im Rahmen von Hilfe zur Erziehung
gemäß SGB VIII durch den Bezirkssozialdienst.
- Sozialer Trainingskurs nach häuslicher Gewalt
Dieser Kurs richtet sich an Männer, die gegen ihre Partnerin gewalttätig geworden
sind und ihr Verhalten ändern wollen.
Im Training setzen sich die Männer intensiv mit ihren Taten, ihren individuellen
Gewaltkreisläufen und deren Auswirkungen auf ihre Opfer auseinander. Sie erar-
beiten Notfallpläne und entwickeln Strategien für gewaltfreie Lösungen. Ziel ist ein
partnerschaftliches Miteinander ohne Gewalt.
Dauer: 25 Wochen.
Zugang: über die Staatsanwaltschaft und/oder das Amt für Soziales und Jugend;
Selbstmelder
Fördersumme: 68.637 € in 2024 durch das Amt für Soziales und Jugend
Die Gruppenangebote von Diakonie und AWO finden jeweils 2-mal jährlich statt.
Die Zahl der Teilnehmenden pro Kurs liegt zwischen 7 und 13 Personen Es handelt
sich ausschließlich um männliche Erwachsene.
Eine Aufschlüsselung nach Alter wird bislang nicht erhoben.
- Caring Dads – Fürsorgliche Väter
Caring Dads© ist ein Interventionsprogramm für Väter, die sich mit schädigendem
Erziehungsverhalten oder misshandelndem Verhalten gegenüber den Müttern ihrer
Kinder auseinandersetzen und dieses ändern wollen.
Dauer: 17 Wochen
Zugang: über das Amt für Soziales und Jugend
Fördersumme: 95.766 € in 2024 durch das Amt für Soziales und Jugend
- AlleMann – Jungen lernen das Erwachsensein
Gruppenangebot für Jungen mit dem Ziel, alternative Handlungsmuster und viel-
schichtige Formen von Männlichkeit zu erleben, zu erlernen und auszuprobieren (z.
B. für das Thema Gewalt).
Zugang: Über den Bezirkssozialdienst, Vergütung der Aufwendungen über Fach-
leistungsstunden gemäß SGB VIII, Hilfe zur Erziehung
AWO Familienglobus gGmbH
- Hilfe für Gewalttäter*innen
Sozialer Trainingskurs für Gewalttäter*innen in Kooperation mit der Diakonie (s.o.)
Zusätzlich werden Einzelsettings für gewaltausübende Frauen angeboten.
Zugang: Über das Amt für Soziales und Jugend
Fördersumme: 68.637 € in 2024 durch das Amt für Soziales und Jugend. Die Grup-
penangebote von Diakonie und AWO finden jeweils 2-mal jährlich statt. Die Zahl
der Teilnehmenden pro Kurs liegt zwischen 7 und 13 Personen Es handelt sich aus-
schließlich um männliche Erwachsene.
Eine Aufschlüsselung nach Alter wird bislang nicht erhoben.
SKM gGmbH
- Beratungsangebot „Echte Männer reden“
Die Männerberatung der SKM gGmbH in Düsseldorf ist Mitglied des Netzwerks
„Echte Männer reden“ vom SKM Bundesverband und bietet eine speziell für Männer
konzipierten Beratung. Hier haben Männer die Möglichkeit, hinsichtlich verschiede-
ner Beratungsthemen Unterstützung zu finde. Neben Themen wie Beziehungs- und
Trennungskonflikten oder psychische Belastungen hat das Beratungsangebot den
Schwerpunkt der Gewaltberatung, sowohl auf der Täter- als auch auf der Opfer-
seite. Genaue Zahlen zu den Verteilungen können noch nicht final erhoben werden,
da sich dieses Angebot erst seit letztem Jahr in städtischer Förderung befindet.
Fördersumme: 57.020 Euro seit 2024 durch Beschluss des Ausschusses für Ge-
sundheit und Soziales.
Die Förderung ist zunächst beschränkt worden auf die Jahre 2024 und 2025.
Für alle oben aufgelisteten Angebote fallen keine Teilnahmegebühren an.
Denkwerkstatt Jungenarbeit
Die Denkwerkstatt Jungenarbeit ist ein loser Zusammenschluss verschiedener Düssel-
dorfer Akteur*innen zur Förderung einer geschlechtersensiblen Jungenarbeit auf kom-
munaler Ebene. Durch den interdisziplinären Austausch und die Vernetzung mit beste-
henden Initiativen soll eine nachhaltige Veränderung in der geschlechterreflektierten
Arbeit mit Jungen erreicht werden.
In der Jugend- und Erwachsenenberatung zeigt sich immer wieder, dass Jungen und
Männer spezifische Herausforderungen im Hinblick auf Gewaltprävention, Gesundheit,
soziale Integration und Geschlechterrollen erleben. Trotz dieser Bedarfe sind gender-
reflektierte Angebote in der Jungen- und Männerarbeit oft noch unzureichend etabliert.
Aktuell entwickelt das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung ein Konzept für
die langfristige Zusammenarbeit und Etablierung der Denkwerkstatt.
