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Kurzstreckenflüge vom und zum Flughafen

Rat

Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE Düsseldorf zur Sitzung des Rates am 09.03.2023 (RAT/060/2023):

Alle wissenschaftlichen Daten belegen, dass sich das Klima verändert – mit zu erwartenden katastrophalen Folgen. Vor allem Politik und Industrie der sogenannten industrialisierten Welt sind dafür verantwortlich. Besonders der CO2-Ausstoß in diesen Ländern ist weiterhin besorgniserregend. Die Regierungspolitik setzt anscheinend alles daran, dass das Klimaziel nicht erreicht wird.

Ein großer Verursacher von CO2, neben Industrie und Automobilverkehr, ist der Flugverkehr. Der Flughafen Düsseldorf war 2021 der viertgrößte Passagierflughafen (mit 78.096 Flugbewegungen und 7,974 Millionen Passagieren) und der neuntgrößte Frachtflughafen in Deutschland – trotz Corona. Ein großer Anteil der Flüge vom und zum Düsseldorfer Flughafen sind Ziele innerhalb Deutschlands bzw. unter 800 Kilometer Entfernung.

2021 fanden u.a. laut statistischem Bundesamt1 Flugbewegungen von und zu unter anderem diesen Flughäfen statt:

  • München: 4.728 Flüge mit 362.062 Passagieren – Auslastung 57,5% - Entfernung 485 Kilometer
  • Berlin-Brandenburg: 1.920 Flüge mit 128.529 Passagieren – Auslastung 54% - Entfernung 477 Kilometer
  • Frankfurt: 1.301 Flüge mit 99.579 Passagieren – Auslastung 65% - Entfernung 187 Kilometer
  • Amsterdam: 2.198 Flügen mit 110.859 Passagieren – Entfernung 181 Kilometer
  • Dortmund: 83 Flüge mit 18 Passagieren – Auslastung 3,65% - Entfernung 64 Kilometer
  • Köln: 67 Flüge mit 737 Passagiere – Auslastung 42% - Entfernung 42 Kilometer

Ein einfacher Flug nach Berlin mit einem Airbus verursacht pro Person etwa 90kg CO2 (mit Airbus 321, economy class laut UBA). Diese Kurzflüge sind nach Auffassung der LINKEN nicht zu rechtfertigen. Sie tragen erheblich zur massiven Umweltverschmutzung bei und damit zur Verschlechterung des Klimas. Das Flugzeug bleibt pro Kopf gerechnet das schmutzigste Verkehrsmittel: Laut Umweltbundesamt (UBA) produziert die Bahn pro Personenkilometer sechs Mal weniger Treibhausgase als ein Flug.

Die Stadt Düsseldorf hält 50 % der Anteile der Flughafen Düsseldorf GmbH Vertreterinnen und Vertreter der Ratsfraktionen CDU, SPD, Grüne und FDP sitzen im Aufsichtsrat der Flughafen Düsseldorf GmbH und könnten Einfluss auf die Anzahl dieser Kurzstreckenflüge nehmen, wenn sie wollten.

Die Stadt Düsseldorf weigert sich bisher, trotz ihrer Mitbestimmung über den Flugverkehr, Verantwortung für den CO2 -Ausstoß des Flughafens zu
übernehmen. In der Antwort zur gleichen Frage im Jahr 2019 (Rat 01/ 212/2019) schrieb die Verwaltung:
„Die CO2-Emissionen des Flugverkehrs insgesamt und damit auch jene, die durch Kurzstreckenflüge verursacht werden, finden in der Energie- und CO2-Bilanz der
Landeshauptstadt Düsseldorf keinen Niederschlag.“

In der zuletzt veröffentlichten städtischen Energie- und CO2-Bilanz 2014 heißt es auf Seite 4:
"Die CO2-Bilanz der Landeshauptstadt Düsseldorf wurde erstmals 1987 erstellt und wird seitdem regelmäßig fortgeschrieben. Die Bilanz erfolgt gemäß den Vorgaben des Klima-Bündnisses, das den sogenannten territorialen Ansatz vorgibt. Das heißt, grundsätzlich werden nur die Verbrauchsdaten, die dem Stadtgebiet zuzurechnen sind, bilanziert. Verbrauchsdaten regionaler Bedeutung bleiben in Teilen unberücksichtigt, zum Beispiel der Flug-, Schiffs- und Zugverkehr." (Zitatende)“.

Ein ernsthaftes Bemühen der Stadt Düsseldorf, zur Rettung des Klimas beizutragen, würde unseres Erachtens voraussetzen, dass sie den Flughafen in ihre Klimabilanz mit einbezieht und auf eine Verbesserung der Klimabilanz des Flughafens hinwirkt.

DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:

  1. Wie viele Flüge mit einer Entfernung von bis zu 500, 800Kilometern haben von und zum Düsseldorfer Flughafen von 2019bis 2022 stattgefunden? (Bitte aufschlüsseln in absoluten Zahlen und Anteilen.)
     
  2. Was hat die Anteilseignerin Stadt Düsseldorf (bzw. derenVertreterinnen und Vertreter) in den letzten fünf Jahrenunternommen, um die Gesamtanzahl der Kurzstreckenflüge amDüsseldorfer Flughafen zu senken bzw. was plant sie dazu inZukunft?
     
  3. Wieviel CO2 haben die Gesamtanzahl der Flüge von und zu Düsseldorf in den letzten fünf Jahren verursacht?


Mit freundlichen Grüßen

Anja Vorspel                 Sigrid Lehmann

1) https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Transport-Verkehr/Personenverkehr/Publikationen/Downloads-Luftverkehr/luftverkehr-ausgewaehlte-flugplaetze-2080610217004.pdf


Antwort der Verwaltung durch Stadtkämmerin Schneider:

Die Fragen 1 und 3 werden basierend auf entsprechenden Auskünften der Flughafen Düsseldorf GmbH beantwortet.

Antwort zu Frage 1:
Die nachstehende tabellarische Auflistung zeigt die relativen und absoluten Zahlen. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Anteil innerdeutscher Flüge unabhängig von der Covid-19-Pandemie, die einen massiven Einschnitt im gesamten Luftverkehr bedeutete, insgesamt rückläufig ist. Auch der Flughafen Düsseldorf wirbt aktiv mit intermodalen Angeboten und setzt auch künftig konsequent auf die Weiterentwicklung des Fernbahnhofs am Airport. Dort, wo entsprechende Angebote bestehen, ist der Umstieg auf die Schiene begrüßenswert. Zudem zeigt sich in Folge der Pandemie eine nur mäßige Rückkehr der innerdeutschen (Flug-)Verkehre.

  201920202021202222 vs 19Anteil
2019
Anteil
2022
GLF L/C planm.0-500 km67.85021.70015.25026.650-61%32%21%
500-800
km
46.05014.1008.20020.600-55%21%16%
>800 km100.70033.55047.75081.100-20%47%63%
Gesamt214.60069.35071.200128.350-40%100%100%
Passag./Flug11995111125   
SLF77%60%67%75%   
         
GLF übrige+ ALF0-500 km6.6505.2506.2007.050+7%58%58%
500>800 km1.7501.3501.6001.950+9%16%16%
>800 km2.9502.9003.2003.250+11%26%27%
Gesamt11.3509.50011.00012.250+8%100%100%

Abk.:
GLF L/C = Großluftfahrt Linie/Charter planmäßig
ALF = allgemeine Luftfahrt
übrige GLF= übrige Großluftfahrt, z.B. Bereitstellungsflüge, Trainingsflüge, Probe- und Werkstattflüge

Antwort zu Frage 2:
Für das Angebot an Streckenverbindungen ist nicht der Betreiber des Flughafens, die Flughafen Düsseldorf GmbH zuständig. Zuständig sind hierfür vielmehr die Fluggesellschaften. Im Zusammenhang mit der breiten Diskussion um Kurzstreckenflüge wird insbesondere auch auf das Angebot des Fernbahnhofs am Flughafen Düsseldorf und die generell sehr gute verkehrliche Anbindung der Landeshauptstadt Düsseldorf hingewiesen. Auch der Flughafen betont die wachsende Bedeutung eines intermodalen Verkehrsangebotes.

Antwort zu Frage 3:
Der Flughafen Düsseldorf erstellt jährlich einen Bericht über die Flugverkehrsemissionen. Die Berechnung der Emissionen erfolgt mit Hilfe der Bewegungszahlen und der einzelnen Verweilzeiten in den unterschiedlichen Betriebszuständen des Landing - Take off - Zyklus (LTO - Zyklus). Im von der ICAO eingeführten standardisierten LTO - Zyklus werden vier Betriebszustände mit unterschiedlichen Schubniveaus und Zeitanteilen bis zu einer Höhe von 915 m definiert:

- Idle (Rollen vor Start und nach Landung): Zeit entsprechend den Aufzeichnungen des Flughafens für den jeweiligen Flug
- Approach (Landeanflug): 4 Minuten
- Take Off (Start): 0,7 Minuten
- Climb Out (Steigflug): 2,2 Minuten

JahrCO2 (t)
202179.332
202076.431
2019239.636
2018226.997
2017238.113

 

Darüber hinaus gehende CO2 Berechnungen der Flugbewegungen werden vom Flughafen nicht erstellt. CO2 Emissionen während des Reiseflugs werden im Rahmen von Emissionsinventaren z.B. vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW oder dem Umweltbundesamt erhoben.

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