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Mikroplastik im Abwasser und Trinkwasser

Umweltausschuss

Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Umweltausschusses am 21. Juni 2018:

Das so genannte Mikroplastik, das aus Partikeln von weniger als fünf Millimetern Größe besteht, wird für viele Ökosysteme der Erde zur Gefahr. Nachdem Mikroplastik bereits im größten Teil der Ozeane nachgewiesen werden kann, werden nun auch Risiken für Landlebensräume und Binnengewässer deutlich. Im Auftrag der Landesumweltämter von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurde in der Studie „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlandsuntersucht, wie stark verschiedene Gewässer im Süden und Westen Deutschlands mit diesen Partikeln belastet sind. Die chemischen Analysen ergaben, dass die meisten Teilchen aus Polyethylen oder Polypropylen bestanden, den in Europa gängigsten Kunststoffen. Ihre Form verriet zudem, dass es sich überwiegend um Bruchstücke von größeren Kunststoffteilen handelte. Doch auch Fasern, wie sie etwa in Kleidung aus Kunstgewebe verwendet werden, ließen sich vielerorts nachweisen. Der größte Teil der Mikroplastikpartikel besteht aus zerbröseltem Müll. 

2016 wurden europaweit fast 50 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Ein guter Teil davon landet früher oder später als Abfall in der Umwelt. Ebenso werden Mikroplastikpartikel aber auch in Zahnpasta, Kosmetika sowie in Reinigungs- und Schleifmitteln beigefügt. Mit dem Abwasser werden diese Kleinstpartikel in die Kläranlagen und von dort in die Flüsse geschwemmt. In der Untersuchung wurde an einer Messstelle am Rhein bei Düsseldorf zwar nur 7,11 Partikel pro Kubikmeter Wasservolumen festgestellt, dennoch besteht die Gefahr, dass Mikroplastik über die Rheinuferfiltration in das Trinkwasser gelangt. Die gesundheitlichen Folgen für den Menschen durch die Ablagerung der schadstoffbelasteten Partikel in den Organen sind noch nicht abschätzbar.                                               

DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:

  1. Mit welchen Methoden und welcher Effizienz (Messwerte vor und nach der Reinigung bitte aufgeschlüsselt nach Jahren) hat der Stadtentwässerungsbetrieb Mikroplastik in den Düsseldorfer Kläranlagen in den letzten fünf Jahren aus dem Abwasser herausgefiltert?                                                                                                                                                                           
  2. Mit welcher Effizienz (Messwerte vor und nach der Reinigung bitte aufgeschlüsselt nach Jahren) haben die Stadtwerke Düsseldorf bei der Trinkwasseraufbereitung im „Düsseldorfer Verfahren“ Mikroplastik in den letzten fünf Jahren aus Rhein- und Grundwasser herausgefiltert und welche zusätzlichen Methoden wurden speziell dafür eingesetzt?
     
  3. Bestehen Pläne für eine verbesserte Filterung von Mikroplastik bei der Trinkwassergewinnung und Abwasserklärung; wenn ja, welche?                                                                                   

Mit freundlichen Grüßen             


Natalie Meisen                                    Odd Krause                                         Mai Nguyen

 

Antwort der Verwaltung am 21.06.2018 (Beigeordnete Stulgies)

Die Fragen werden nach Abstimmung mit dem Stadtentwässerungsbetrieb und der Stadtwerke Düsseldorf AG wie folgt beantwortet:

Antwort zu Frage 1: Mikroplastik ist weder in den Erlaubnisbescheiden für die Einleitungen aus den Düsseldorfer Kläranlagen noch in der Selbstüberwachungsverordnung als eigener überwachungspflichtiger Parameter geregelt und wird daher nicht regelmäßig analysiert. Nach den bisher vereinzelt vorliegenden Untersuchungsergebnissen (vergl. Vorlage 19/28/2014 und Landtagsdrucksache 16/3599 vom 14.01.2016) sind die Mikropartikelzahlen im Ablauf der Düsseldorfer Kläranlagen als eher gering einzuschätzen.
Mikroplastik wird jedoch implizit mit dem Parameter "abfiltrierbare Stoffe" (AFS) erfasst, allerdings wird dieser nur im Kläranlagenablauf und nicht im Zulauf gemessen. Weiterhin sind die Anteile an Mikroplastik an den AFS nicht bestimmt. Im Rahmen der Abwasserreinigung erfolgt ein nicht-stoffspezifischer Rückhalt über die verschiedenen Verfahrensstufen. Deshalb liegen Daten zur Reinigung des Abwassers von Mikroplastik nicht vor.

zu Frage 2: In Düsseldorf wird das Trinkwasser aus Rohwasser gewonnen, das zu etwa 75% aus Uferfiltrat aus dem Oberflächengewässer Rhein und zu etwa 25% aus landseitigem Grundwasser besteht. Bis das Uferfiltrat aus dem Rhein im Brunnen ankommt, dauert die Bodenpassage circa sechs Wochen. Die Uferpassage bildet eine wichtige Barriere für Partikel aus dem Rhein. Bei der Uferfiltration in Düsseldorf werden Partikel größer 10 µm effektiv zurückgehalten, mit abnehmender Größe nimmt die Filtrationsleistung ab. In der Rohwasseraufbereitung werden in verschiedenen Verfahrensstufen die Partikelzahlen weiter verringert.
Der Grenzwert der gültigen Trinkwasserverordnung für die Trübung wird nicht überschritten. Es fehlen derzeit jedoch anerkannte Untersuchungsmethoden, die geeignet sind, die Mikropartikel in komplexen Matrices sicher analytisch zu erfassen und zu identifizieren.

zu Frage 3: Bei der Stadtwerke Düsseldorf AG sind derzeit keine zusätzlichen Maßnahmen geplant, um den hohen Standard in der Rohwasseraufbereitung weiter zu verbessern.
Bei der Abwasserklärung gibt es aktuell keine marktreife Strategie zur besseren Filterung. Der Stadtentwässerungsbetrieb steht hierzu jedoch im regelmäßigen Informationsaustausch mit anderen Abwasserbetrieben.
Die Einleitungserlaubnis wurde für beide Kläranlagen durch die Bezirksregierung bis 2024 verlängert; insbesondere Anforderungen an Mikroplastik sind darin nicht enthalten. 
Erste Ergebnisse von Untersuchungen zu Mikroplastik in den Gewässern des Landes NRW sind den Landtagsdrucksachen 17/2702 vom 28.05.2018 und 16/3599 vom 14.01.2016 zu entnehmen. Danach sind zwar im Rhein bei Düsseldorf ebenso wie im Ablauf der Kläranlage Düsseldorf Süd Mikroplastik-Partikel nachweisbar, aber im Vergleich zu anderen Probenahmestellen im Rhein und an Kläranlagen auf äußerst niedrigem Niveau.

Unabhängig davon ist zusätzlich aus Sicht des Wasserversorgers, des Abwasserbeseitigungspflichtigen aber auch der Umweltverwaltung eine bessere Aufklärung der Verbraucher über Mikroplastik in Kosmetik- und Reinigungsprodukten vonnöten. Zwar ist es immer noch schwierig, sofort zu erkennen, ob ein Produkt Mikropartikel enthält. Umfängliche Hilfe dazu gibt es jedoch im Internet, z.B. auf den Seiten der Aktion "Beat the Microbead" oder im Einkaufsratgeber des BUND zu Mikroplastik. Die entsprechenden Links dazu werden auf den Internetseiten des Umweltamtes aktualisiert.
Durch die bisher verfolgte freiwillige Vereinbarung  mit der Industrie (vergl. Vorlage 19/28/2014) lässt sich noch kein Verzicht auf Mikropatikel in Kosmetika und Reinigungsmitteln feststellen.

Aufgrund der Aktualität und Dimension der Verunreinigung der Meere, der Binnenseen und Fließgewässer mit Plastikabfällen und Mikroplastik wurde das Thema auf der 90. Umweltministerkonferenz am 08.06.2018 in Bremen behandelt. Die Umweltministerinnen und -minister sehen erheblichen weiteren Handlungsbedarf, der von weiteren Grundlagenuntersuchungen über die Entwicklung von Strategien zur Verringerung des Kunststoffeinsatzes, zur Abfallvermeidung und Stärkung der Wiederverwendung bis zur Schaffung wirtschaftllicher Anreize für die Industrie und rechtlich verbindlicher Regelungen, um den Einsatz von Mikroaprtikeln zu unterbinden, reicht.

 

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