Proberäume in Düsseldorf
Anfrage der Fraktion DIE LINKE.Düsseldorf zur Sitzung des Kulturausschusses am 21. Juni 2016: Die von der Stadt in Auftrag gegebene und im Jahr 2012 vorgelegte Proberaumrecherche wurde beauftragt, um die Proberaumsituation in Düsseldorf zu analysieren und mittelfristig zu optimieren. Ziel der Proberaumrecherche war es einerseits, den Bestand der als Proberaum vermieteten Immobilien zu ermitteln. Andererseits sollten potentiell nutzbare neue Räume gesucht sowie mittel- und langfristige Lösungswege zur Verbesserung der Proberaumsituation aufgezeigt werden.
Das Fazit der Recherche war ernüchternd: „Die ausführliche IST-Analyse zum Bestand der Proberäume in Düsseldorf hat ergeben, dass sich die hiesigen Bands zurzeit auf ca. 300 recherchierbare Proberäume verteilen (Stand Jan. 2012). Die Räume werden fast alle doppelt genutzt (Mehrfachbelegung). Hinzu kommt noch eine relevante Anzahl privater Keller und Räumlichkeiten, die aber nicht verifizierbar ist. Der durchschnittliche Mietpreis liegt bei 10 € pro qm zzgl. NK. Die Annahme, dass der Mietpreis sich nach dem Zustand der Räume und der angebotenen Infrastruktur richtet, bestätigte sich nicht. Die Nachfrage ist sehr viel größer als das Angebot, und die Bands zahlen daher z.T. unangemessene Mieten bzw. lassen sich auf bedenkliche Bedingungen ein. […] Ein negativer Effekt des Booms der Stadt Düsseldorf ist, dass Gebäude, die zum Teil jahrelang leer standen und durch Bands, Künstler, Off-Location-Betreiber etc. zwischengenutzt wurden, mittlerweile anderweitig belegt sind (Beispiel: Alte Paketpost – jetzt genutzt durch Schauspielhaus und Ordnungsamt) und somit die Freiräume, in der sich die Szene selber organisieren konnte, nicht mehr oder kaum noch zur Verfügung stehen.“
Die Proberaumrecherche schlug daher konkrete Handlungsempfehlungen vor, dem sich in Düsseldorf immer weiter zuspitzenden Mangel an Proberäumen durch verschiedene Maßnahmen beizukommen. Hierzu wurden beispielsweise Ausbaureserven vorhandener Einrichtungen aufgezeigt. Weiter wurde angeregt, in Schulgebäuden die Bereitstellung von Proberäumen zu prüfen sowie einen öffentlichen Aufruf „Wir suchen Proberäume für Düsseldorfer Bands“ zu lancieren. Schließlich benannte die Proberaumrecherche detailliert potenzielle Räumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtraum, die nach entsprechender Umrüstung für Probezwecke mittelfristig genutzt werden könnten. Um kreatives Potential in der Stadt zu halten wurde zudem vorgeschlagen, neue Proberäume zu bauen, Raum in Raum Lösung in ehemaligen Industrie- und Lagerhalle zu verwirklichen oder mobile Proberäume anzuschaffen. Um Düsseldorf langfristig als Musikstandort zu stärken wurde die Schaffung eines Gründerzentrums für Musikschaffende und Musikindustrie (Bands, Agenturen, Medien, Veranstalter etc.) empfohlen.
DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
- Wie haben sich die Anzahl der Proberäume in Düsseldorf und deren durchschnittlicher Mietpreis im Vergleich zum Stand der Proberaumrecherche im Januar 2012 entwickelt?
- Welche der in der Proberaumrecherche vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung der Proberaumsituation hat die Stadt seit der Vorlage der Recherche vor vier Jahr ergriffen und welche konkreten Gründe lagen vor, falls einzelne Maßnahmen nicht umgesetzt wurden?
- Welche der in der Proberaumrecherche vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung der Proberaumsituation sollen noch umgesetzt werden?
Freundliche Grüße
Peter-Ulrich Peters Dr. Michael C. Klepsch Daniela Dauner
Antwort der Verwaltung am 21.06.2016 (Beigeordneter Hans-Georg Lohe)
zu Frage 1: Durch die Sanierung und Neuvermittlung des Musikbunkers Gatherweg stehen seit
Februar 2014 insgesamt 92 Proberäume (12 mehr als vor der Wiedereröffnung) zur
Verfügung. Der Stand von 2012 konnte an diesem Standort also leicht verbessert
werden. Zurzeit können am Gatherweg noch ca. 20 freie Proberäume angemietet
werden.
Durch die im Jahr 2011/2012 durchgeführte Proberaumrecherche konnten umfangreiche
Daten erhoben werden. Aktuelle Daten liegen der Verwaltung zur Proberaumsituation
derzeit nicht vor. Hierzu müsste erneut eine Erhebung durchgeführt werden.
Mittel stehen für eine solche Recherche im Haushalt nicht zur Verfügung.
zu Frage 2 und Frage 3: Als akute Maßnahme war in der Recherche der Erhalt des Musikbunkers Gatherweg genannt worden. Dies war auch der politische Wunsch zu der Zeit und wurde von der Verwaltung umgesetzt.
Des Weiteren wurde eine Reihe von Handlungsempfehlungen genannt, die zusätzliche Proberäume unterschiedlichster Formate schaffen sollen. Der Fokus lag zunächst auf der Ertüchtigung des Musikbunkers Gatherweg. Der Musikbunker hat sich mittlerweile etabliert. Es können derzeit noch etwa 20 Räume mit hohem Standard angemietet werden. Wenn diese fast vollständig vermietet sind, sollten weitere Maßnahmen ergriffen werden.
Anregungen aus der Proberaumrecherche sind derzeit Gegenstand von Gesprächen zwischen dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Amtes für Wirtschaftsförderung und dem Kulturamt. So werden beispielsweise von beiden Ämtern in Zusammenarbeit mit dem VUT West e.V. (Verband unabhängiger Musikunternehmen) Fortbildungsseminare für Musikerinnen und Musiker gefördert, die sehr gut angenommen werden.
