Schadstoffemission im Bereich des Flughafens
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zur Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz am 03.05.2012:
Der Flughafenverkehr, der in den letzten 10-15 Jahren erheblich zugenommen hat, bedingt durch die Abgase der Flugzeuge, die Verkehrsbewegungen auf dem Flughafengelände und Energieerzeugungsanlagen auf dem Flughafen beträchtliche Emissionen an NOx, Feinstaub, Ruß und anderen Schadstoffen.
Es ist deshalb fraglich, ob die Grenzwerte für diese Schadstoffe im Siedlungsgebiet der unmittelbaren Flughafenumgebung eingehalten werden. AnwohnerInnen berichten über Geruchsbelästigung und Ruß auf den Fensterbänken. Auf der Internetseite des „Heimat- und Bürgervereins Lohausen-Stockum e.V.“ werden die Jahresmittelwerte für NO2 einer (von einer Privatperson durchgeführten) Messung (mit Passivsammler nach DIN) dargestellt, nach der an zwei Messpunkten der zulässige Wert (40µg/m³) überschritten wurde.
DIE LINKE. Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
- Wurden oder werden von Seiten des städtischen Umweltamtes, des Landesumweltamtes oder einer anderen Behörde Messungen zur Luftqualität an exponierten Punkten zu den oben genannten Schadstoffen rund um den Flughafen durchgeführt und wenn ja, wie sahen oder sehen die Messergebnisse aus? Wenn nein, warum werden keine Messungen durchgeführt?
- Auf wie hoch schätzt die Verwaltung den Einfluss des Flughafens Düsseldorf auf die Hintergrundbelastung der Umweltzone Düsseldorf bzgl. Feinstaub und NOx und nach welcher Berechnungsgrundlage wird diese abgeschätzt?
- Was unternimmt die Stadt, um die Emissionen seitens des Flughafens zu reduzieren?
Freundliche Grüße
Stephan Ungeheuer Anja Vorspel Odd Krause
Antwort der Verwaltung durch die Beigeordnete Stulgies:
Frage 1:
Wurden oder werden von Seiten des städtischen Umweltamtes, des Landesumweltamtes oder einer anderen Behörde Messungen zur Luftqualität an exponierten Punkten zu den oben genannten Schadstoffen rund um den Flughafen durchgeführt und wenn ja, wie sahen oder sehen die Messergebnisse aus? Wenn nein, warum werden keinen Messungen durchgeführt?
Antwort:
Im Jahr 2011 hat das städtische Umweltamt ein Ingenieurbüro mit Berechnungen zur Luftbelastung am Flughafen und dessen unmittelbarer Umgebung (einschließlich der Kreuzung A44 / Danziger Straße) beauftragt. Berechnet wurden die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Gesamt-belastungen, welche sich aus Hintergrundniveau, verkehrlicher Belastung sowie Emissionen des Flughafens ergeben. Methodisch angewandt wurde ein Grobscreening nach dem sog. Gauß-Fahnenmodell gemäß der technischen Anleitung Luft von 1986 (TA Luft 86) sowie eine Detailuntersuchung mittels des mikroskaligen Klima- und Ausbreitungsmodells (MISKAM).
Die Ergebnisse wurden anhand der gültigen Grenzwerte der 39. Bundes-Immissionsschutz-verordnung (BImSchV) beurteilt.
Die Ergebnisse bezüglich des Luftschadstoffes Feinstaub zeigen:
- Die dem Flughafen nächstgelegene Wohnbebauung wird durch den Flughafen nur um 0,4 μg/m³ zusätzlich belastet; die Hauptbelastung stammt aus dem Straßenverkehr entlang der Autobahn A44 und der Danziger Straße.
- Der Grenzwert für den Jahresmittelwert von 40 μg/m³ wird im Bereich der nächstliegenden Wohnbebauung mit dem maximalen Wert von 24 μg/m³ deutlich eingehalten.
- Entsprechend der Erkenntnisse des Landes NRW kann erst bei einem Jahresmittelwert von 30 μg/m³ mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Grenzwert der Überschreitungshäufigkeit überschritten wird (gemäß 39. BImSchV darf der Tagesmittelwert von 50 μg/m³ an nicht mehr als 35 Tagen pro Jahr überschritten werden).
- Angewandt auf die vorliegenden Ergebnisse bedeutet dies, dass auch dieser Grenzwert an der nächstliegenden Wohnbebauung deutlich eingehalten wird.
Für den Luftschadstoff Stickstoffdioxid wurde ermittelt,
- dass straßenverkehrsbedingte Grenzwertüberschreitungen im Bereich der Wohnbebauung nur im unmittelbaren Nahbereich der Kreuzung A 44 / Danziger Straße zu erwarten sind.
Seitens der Bürgerinitiativen Heimat- und Bürger-verein Lohausen-Stockum e.V. sowie Siedlergemeinschaft Düsseldorf-Nord im Verband Wohneigentum Rheinland e.V. wurden im Zeitraum Mai 2010 bis April 2011 in eigener Regie Messungen mittels Passivsammlern durchgeführt. - Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse bestätigen die Berechnungen, die im Auftrag der Stadt durchgeführt wurden. Demnach wird der Grenzwert von 40 μg/m³ an den Messstellen Im Lohauser Feld und Lantzallee eindeutig unterschritten, während an den Messstellen in der Nähe der großen Verkehrsstraßen tendenzielle Überschreitungen mit Werten wie in der Innenstadt festgestellt wurden.
Auf Bitten der Bürgerinitiativen hat das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV) angekündigt, dass insgesamt acht neue Messstellen für Passivsammler im Mai diesen Jahres eingerichtet werden. Nach Abschluss der erforderlichen logistischen Vorbereitungen werden die Messungen voraussichtlich Anfang Juni 2012 aufgenommen. Erste Ergebnisse werden frühestens Ende 2013 zu erwarten sein.
Frage 2:
Auf wie hoch schätzt die Verwaltung den Einfluss des Flughafens Düsseldorf auf die Hintergrund-belastung der Umweltzone Düsseldorf bezüglich Feinstaub und NOx und nach welcher Berechnungsgrundlage wird diese abgeschätzt?
Antwort:
Nach Auskunft des LANUV trägt der Flughafen Düsseldorf nur in seinem näheren Umfeld signifikant zu der Luftschadstoffbelastung bei. Dies bestätigen die oben beschriebenen Ergebnisse der vorhandenen Berechnungen und Messungen.
Weiter teilt das LANUV mit, dass für die Hintergrundbelastung in der Düsseldorfer Umweltzone der Flughafen eine vernachlässigbare Rolle spielt. Diese Einschätzung basiert auf Modellrechnungen des LANUV für den Luftrein-halteplan Düsseldorf für das Jahr 2003.
Frage 3:
Was unternimmt die Stadt, um die Emissionen seitens des Flughafens zu reduzieren?
Antwort:
Die Stadt unterstützt als Miteigentümerin des Flughafens die dortigen Bemühungen, Schadstoffemissionen zu senken.
Hierzu teilt der Flughafen Düsseldorf mit:
Seit Anfang 2011 erhebt der Flughafen Düsseldorf International ein emissionsabhängiges Start- und Landeentgelt. Ziel ist dabei die Verbesserung der lokalen Luftqualität. Den Fluglinien wird dadurch ein Anreiz gegeben, den Flughafen Düsseldorf mit emissionsärmeren Triebwerken anzufliegen. Berücksichtigt werden die Komponenten NOx (Stickoxide) und Kohlenwasserstoffe (HC).
Zudem investiert der Flughafen fast vier Millionen Euro in die Verbesserung der Betriebsabläufe. Im Herbst dieses Jahres wird Düsseldorf International das sogenannte Airport Control Center und das Airport CDM (Airport Collaborative Decision Making) in Betrieb nehmen.
Durch die Implementierung dieser Systeme wird die operative Zusammenarbeit der verschiedenen Partner an einem Flughafenstandort besser miteinander verzahnt. Dadurch werden neben der Verbesserung der Planungen von Gates und Abfertigungspositionen vor allem die Laufzeiten der Triebwerke reduziert und durch die Vermeidung von Staus an der Startbahn die Wartezeiten vor dem Start verringert.
