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usschöpfung von verfügbaren Dachflächen für Solarenergie

Rat


Anfrage des Ratsmitglieds Sigrid Lehmann der LINKEN zur Sitzung des Rates am 17.05.2023 (RAT/182/2023):

Nordrhein-Westfalen hat mit neu installierten Solaranlagen 2022 mit 913 Megawatt (MW) das Niveau der Rekordjahre 2010 (891 MW) und 2011 (913 MW) wieder erreicht. Eine Auswertung der Meldungen im Marktstammdatenregister durch den Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) zeigt ein Plus von knapp 40 Prozent im Vergleich zu 2021.

Als Folge der gestiegenen Energiepreise und den Wunsch vieler Bundesbürger:innen, sich mit eigenen Photovoltaikanlagen unabhängiger zu machen, hat es im vergangenen Jahr auch bundesweit einen Solaraufschwung gegeben. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag die neu installierte Leistung in Deutschland bei knapp 7.200 MW, nach 5.263 MW im Jahr zuvor (Plus von knapp 37%).

Die LEE NRW-Analyse des Marktstammdatenregisters zu ausgewählten Städten, so auch Düsseldorf, zeigt, dass es im vergangenen Jahr nur bei einigen Kommunen einen starken Solarzubau gegeben hat. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete Köln ein Plus von 14,2 MW, Dortmund von 10,0 MW und Essen von 8,6 MW. Ausgerechnet in der Landeshauptstadt Düsseldorf blieb es eine Stagnation, denn wie 2021 wurden nur 6,5 MW gebaut.

Besonders der Nutzungsbereich der Gebäude bei der Untersuchung belegt, dass es mit 93 Prozent vor allen Dingen Privathaushalte sind, die in NRW Solarenergie nutzen. Auch die wachsende Anzahl von Balkonkraftwerken macht sich schon bemerkbar. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen nutzen Solarenergie gerade mal zu 4 Prozent. Ganz abgeschlagen sind die Zahlen der Solarnutzung im Bereich Industrie und Öffentliche Einrichtungen. Bei Industriegebäuden ist nur 1 Prozent zu verzeichnen und die Nutzung von Solarenergie bei Öffentlichen Gebäuden in NRW liegt sogar noch unter 1 Prozent.

Auch der Ökostromanbieter LichtBlick aus Hamburg führt jährlich einen “Solar-Check” durch. Der SolarCheck untersucht, inwiefern das Potential Solarenergie in Deutschlands 14 größten Städten (= mit mehr als 500.000 Einwohner:iinnen) ausgeschöpft wird. Dabei wird das Verhältnis der Fläche neu errichteter Solaranlagen zu den neu gebauten Dachflächen erfasst. Es zeigt sich, dass Neubaudächer oftmals nicht für Solaranlagen genutzt werden.

Das Ergebnis zeigt das Verhältnis der neu installierten PV-Flächen zur Dachfläche auf Wohn- und Gewerbebauten in Prozent: Während Nürnberg mit 69,2 Prozent (2011: 44,3 Prozent) an die Spitze der 14 Städte klettert, liegt Köln mit 63,6 Prozent weiterhin auf dem zweiten Platz. Düsseldorf liegt mit 24,6 Prozent lediglich auf Platz 11. Dem folgen noch Bremen, München und Hamburg. Düsseldorf lässt somit viel Potential in diesem Bereich liegen. Von den möglichen Neubaudächern allein in 2022 in Düsseldorf könnten insgesamt 4.588 Haushalte versorgt werden. Tatsächlich können nach den Berechnungen von den realisierten Solaranlagen nur 1.129 Haushalte versorgt werden.

Zur Förderung von Solaranlagen bzw. Solarthermie für private Haushalte und für den Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen wurde das Förderprogramm „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf“ entwickelt. Unter dem Kapitel 5.8 Technische Anlagen zur Nutzung der Solarenergie (bei Bestands- und Neubauten) sind Anforderungen und Fördermöglichkeiten für Solarthermie, Steckfertige PV-Anlagen und Photovoltaikanlagen aufgeführt.

Während Düsseldorf sich mit der Solaroffensive der Aufgabe stellt, auf öffentlichen Gebäuden bis 2025 geeignete Dächer und Fassaden der städtischen Liegenschaften mit Photovoltaik – Anlagen nachzurüsten und für die Umsetzung und Koordinierung eine Stelle als Solarkoordinator*in eingerichtet hat, bleiben aufgrund der vorliegenden Zahlen jedoch in Düsseldorf Neubauten und Flächen aus dem Bereich Gewerbe und Industrie weit hinter ihren Potentialen zurück.

Ich frage an:

  1. Wir wurden Gewerbe und private Haushalte angesprochen, um beiNeubauten Solarenergie einzuplanen und zu installieren (z.B. runder Tisch, Internetbewerbung, Netzwerkarbeit, Anschreiben) und was ist geplant, um den Anteil zu erhöhen?
     
  2. Wie viele Anträge aus dem Förderprogramm Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten wurden im Bereich Solarenergie (5.8. ff) 2022 und 2023 eingereicht/ bewilligt / durch Installation umgesetzt (unter Nennung der KW/MW-Zahlen)?
     
  3. Welche Maßnahmen wurden umgesetzt oder sind geplant, um auch Industrieflächen zu nutzen?

Mit freundlichen Grüßen
Sigrid Lehmann
 


Antwort der Verwaltung durch den Beigeordenten Kral:

Antwort zu Frage 1:
Bauherren gewerblicher Neubauvorhaben werden über die frühzeitige Investorenberatung zu Fördermöglichkeiten und energieeffizientem Bauen beraten.

Bestandteil der Beratung ist auch die Nutzung von Solarenergie. Bauherren privater Neubauvorhaben müssen im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) für Neubauten im Niedrigenergiehaus- / Passivhausstandard die geforderten Energieeffizienzwerte einhalten. Der Einbau von Solarenergie-Anlagen ist dabei bereits erforderlich.

Darüber hinaus ist die Einführung einer „Solarpflicht“ (gesetzliche Vorgabe zum Einbau von Photovoltaikanlagen oder Solarthermie auf Neu- und Bestandsgebäuden) Bestandteil des Koalitionsvertrages der Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

Demnach wird die Solarpflicht ab Januar 2024 auf gewerbliche Neubauten und ab Januar 2025 für private Neubauten angewandt.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf stellt mit dem Ausbau des Beratungsangebotes „Düsseldorfer Solarservice“ (DÜSS) ergänzend ein Angebot zur Verfügung, das auch für Neubauvorhaben genutzt werden kann. Der Relaunch der Homepage des DÜSS befindet sich momentan in der Bearbeitung und wird eine bessere Übersicht über das städtische Angebot geben.

Antwort zu Frage 2:
2022 und 2023 stellen sich die Antragszahlen für den Bereich Solarenergie des Förderprogramms „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten“ folgendermaßen dar:

 20222023
EingereichtBereits
bewilligt
Leistung
MWpeak
EingereichtBereits
bewilligt
Leistung
MWpeak
Photovoltaik14792356,633365742,353
Speicher1146212-13235-
Solarthermie130-10-

Das Fördersystem der Stadt Düsseldorf erlaubt es auch Maßnahmen förderunschädlich umzusetzen, die noch nicht bewilligt sind, vorausgesetzt der Antragsteller hat eine Fördernummer für seinen Antrag erhalten.

Antwort zu Frage 3:
Im Rahmen des Förderprogramms „Klimafreundliches Wohnen und Arbeiten“ werden bei Quartiersberatungen für Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger ganze Straßenzüge/Quartiere zum Thema PV-Ausbau informiert und beraten. Hierbei werden auch Gewerbeflächen als Orte der Installation von Solaranlagen von Klein- und Kleinstunternehmen mit in die Betrachtung einbezogen.

Im Rahmen des Düsseldorfer Klimapaktes mit der Wirtschaft (https://klimapakt-duesseldorf.de/) und des Projektes „Ökoprofit“ wird das Thema „Nutzung der Solarenergie“ in Workshops aufgegriffen und die Teilnehmenden zur Installation von Solaranlagen motiviert.

Gemeinsam mit der Grünwerke GmbH – eine 100 %tige Tochter der Stadtwerke AG - werden Flächen bezüglich der Nutzung großer Freiflächenanlagen eruiert. Hierbei sind allerdings konkurrierende Themenfelder, wie Landwirtschaft, Naturschutz, Freizeit- und Gewerbenutzung abzuwägen. Konversionsflächen, die keiner neuen gewerblichen Nutzung zugeführt werden können, stehen dabei im Fokus der Betrachtung.

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